Reisebericht September 2014

Paraiso Suiza --> Santa Teresa (die beiden letzten Tage im August in Uruguay) = insgesamt 250 km --> Grenzübergang Chuy nach Brasilien am 01.09.2014 --> Cassino (1 Nacht) --> Gramado (2 Nächte) --> Torres (1 Nacht) --> Santa Marta (2 Nächte) --> Ilha de Santa Catarina (2 Nächte) --> Ilha de Sao Francisco (1 Nacht am Strand, 2 Nächte im Forte Marechal Luz) --> Itanhaem (1 Nacht) --> Costa Verde bei Ubatuba (8 Nächte) --> Paraty (2 Nächte) --> Rio de Janiero (4 Nächte, davon 2 im Hotel) --> über Ouro Preto (unfreiwillige Stadtrundfahrt) --> Posto bei Belo Horizonte (1 Nacht) --> Posto vor Campo Grande (1 Nacht) --> Posto Agua Clara (1 Nacht) --> Miranda (1 Nacht vor Marcellos Haus) --> Corumba (2 Nächte im Hotel Goldfish) = insgesamt 5.500 km

 

Brasilien, das Land, in dem an der Copacabana und der Ipanema in Rio de Janeiro die schönen Menschen ihre modulierten Körper präsentieren, am Strand String, Badeshorts und bestenfalls noch ein kleines Handtuch völlig ausreichen, Caipirinhas genauso zur Tagesordnung gehören wie der Samba und selbstverständlich auch Fußball und der Carneval nicht fehlen dürfen, wo immer schönes Wetter ist, der Amazonas mit seiner Flora und Fauna berauscht .. So stellt man sich Brasilien gemeinhin vor, wenn man es noch nicht bereist hat. Viel mehr wissen wir jedenfalls nicht von diesem riesigen, fünftgrößtem Land der Erde, als wir völlig unkompliziert über die jeweils zur Hälfte zu Uruguay und Brasilien gehörenden Grenzstadt Chui (auf der Uruguayseite), Chuy (auf der brasilianischen Seite) einreisen. Deutschland passt 24 mal rein in Brasilien. Wir werden ca. 7.000 km unterwegs sein und somit nur einen relativ kleinen Teil dieses Giganten bereisen. Und der hat mit dem vorher genannten, bis auf Rio vielleicht, nicht viel gemein. Aber der Reihe nach ..

 

Noch in Uruguay steuern wir zunächst Santa Teresa an, ein vom Militär verwalteter, sehr schön am Atlantik gelegener riesiger Naturpark mit auf dem Gelände verstreuten Camping-Möglichkeiten. Wir genießen die Natur, die Ruhe und lernen eine junge französische Familie (www.dacaluf.com) kennen, die mit ihrem Reisetruck Richtung Süden unterwegs sind und Brasilien schon bereist haben. Sie sprechen Englisch und so können wir uns bestens austauschen, während ihre zwei Kinder unser kleines Lagerfeuer in Gang halten. Wir versäumen auch nicht, das in der Nähe gelegene Punta Diablo zu besuchen. Ein ziemlich pitoresker Ort, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Man könnte hier Western drehen. Die Kulissen sind schon da. Hier sind etliche Aussteiger hängengeblieben, haben sich ihr Häuschen entsprechend ihrer Philosophie gebaut und dem allgemeinen Stress Adieu gesagt. Uns gefällt es hier.

 

In Brasilien fahren wir über Cassino als Übernachtungsstation in die Berge nach Gramado, wo sehr viele deutschstämmige Brasilianer wohnen und diese Stadt einer Schwarzwaldstadt ähnlich aufgebaut haben. Leider verlässt uns so langsam das Wetterglück, das uns im August in Uruguay immer so hold war. Trotzdem wollen wir über Torres als Übernachtungsstation nach Santa Marta wieder an den Atlantik fahren. Die letzten 6 km strapazieren heftigst El Gordo und seine Insassen. Aber es lohnt sich. Einsam, wunderschön gelegen mit seinen farbenfroh angemalten Häusern. Wir lernen Robyn aus Südafrika und ihren brasilianischen Freund Caio kennen. Der Abend vergeht wie im Flug bei Wein und einem kleinen Assado.

 

Von der Ilha Santa Catarina haben wir uns mehr versprochen. Zwar liegt auch sie mal wieder perfekt an der Küste ganz in der Nähe der auf dem Festland gelegenen für brasilianische Verhältnisse kleinen Stadt Florianopolis mit ihren ungefähr 400.000 Einwohnern. Aber die wollen in ihrer Freizeit auf die Insel. Der Verkehrsdichte und dem damit verbundenen Verkehrsinfarkt verdanken die Florianopolianer, dass sie keinen Zuschlag für die Austragung von Spielen der Fußballweltmeisterschaft bekommen haben. Wir umrunden die Insel, finden irgendwie nicht unseren Platz, bleiben aber trotzdem zwei Nächte und genießen den vorhandenen Comfort des Campingsplatzes.

Ganz anders auf der Ilha de Sao Francisco. Hier gibts kaum Verkehr. Eine Nacht stehen wir frei am Strand. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass da zwei Deutsche mit ihrem Reisemobil stehen. Ständig bekommen wir Besuch, werden freundlich begrüßt und auch angesprochen. Wir fahren zum in der Nähe gelegenen Forte de Marechal Luz, das von den dort stationierten Soldaten in Zugstärke gehegt und gepflegt wird. Es ist militärisches Gelände, wird uns erklärt. Trotzdem dürfen wir dort einen von den vorhandenen Wohnmobilplätzen in Beschlag nehmen. Und was finden wir? Einen Strand, der unserem Header-Foto verblüffend ähnlich sieht und nehmen unser erstes Bad im Atlantik. Dem oben auf dem Berg gelegenen kleinen Militärmuseum statten wir einen Besuch ab und genießen den Blick auf die Küste mit ihren vielen vorgelagerten Inseln. Der nächste Tag bringt wieder Regen. Also beschließen wir, über Itanhaem mit seinem sehr langen Sandstrand an die gut 400 km lange Costa Verde zu fahren.

 

Laut Reiseführer eine der schönsten Küsten unseres Planeten. Wir kennen zwar nicht alle, aber noch schönere können wir uns kaum vorstellen. Aber es ist harte Arbeit für den Fahrer und El Gordo. Tunnel existieren nicht, also müssen wir unzählige Male rauf auf die Berge und wieder hinunter. Manchmal geht das nur im ersten Gang. Leider finden wir nur sehr wenige Miradors. Und dann ist er da. In der Nähe von Ubatuba lockt uns der pefekte ca. 4 km lange Traumsandstrand und das auch noch bei schönstem Wetter. Ein Campingplatz des Campingclubs do Brasil grenzt direkt daran, ein kleiner Supermarkt liegt nur 300 m entfernt. Hier wollen wir pausieren und einige Tage faulenzen. Aber Wäschewaschen steht dringend an. Per Hand natürlich. Wir lassen uns Zeit, baden im warmen, türkisfarbenem Meer, lesen endlich mal und machen uns nach zwei herrlichen Tagen an das langsam dringend erforderliche Wäschewaschen. Übrigens bekommen wir erst hier unseren ersten Caipirinha. BrasilianerInnen trinken Bier. Kaum sind wir fertig, schlägt mal wieder das Wetter um, und wir starten das Spiel, Wäsche auf- und wieder abzuhängen. Das nervt!! Sechs Tage pieselt es ständig vor sich hin, gelegentlich gibts etwas längere Unterbrechungen. Und das heißt, nix wie raus und die Wäsche aufhängen. Zähe Verhandlungen mit der Campingplatzadministration schließen diese acht Tage ab. Wir sollen plötzlich den Preis für Nichtmitglieder des Campingclubs do Brasil bezahlen. Und der ist drei mal so hoch. Pro Nacht also umgerechnet ca. 40 €. Bisher wurde unser internationaler Campingausweis des ADAC immer auf den Plätzen des Campingclubs do Brasil anerkannt. Nach zähen Verhandlungen, ohne Brasilianischkenntnisse unsererseits und ohne Englischkenntnisse des Betreibers und einigen Telefongesprächen gehts plötzlich doch. Statt 350 € müssen wir nun nur noch gut 100 € zahlen.

 

Erfreut ziehen wir von dannen und steuern Paraty an. Paraty ist ein perfektes wunderschönes Kolonialstädchen, nicht mehr weit von Rio gelegen, mit einer guten touristischen Infrastruktur. Hier bleiben wir zwei Tage und laufen uns mal wieder die Hacken ab. Die Pflasterung ist noch original erhalten. Es geht nur mit festen Schuhen. Umknicken ist sonst garantiert. Abends kann man sehr schön draußen in einer der am Strand gelegenen zahlreichen Bodegas sitzen und sich einen von den nun immer besser werdenden Caipis zu Gemüte führen. Übrigens stehen etliche der Straßen Paratys unter Wasser. Früher hatte man noch keine Kanalisation, baute die Straßen auf Meereshöhe und wartete darauf, dass die Ebbe den "Unrat", der aus den Häusern direkt auf die Straße floss, mit sich nimmt. Deshalb auch die sehr hohen Randsteine. Am besten kommen auf diesen mit mindestens kopfgroßen runden Natursteinen gepflasterten Straßen noch die Pferde klar. Vor allem dort, wo das Wasser steht. Nun aber ohne Unrat, da inzwischen eine Kanalisation vorhanden ist.

 

Über Rio de Janeiro lässt sich viel erzählen. Und was macht man, wenn man nur zwei Tage hat, wie wir? Rio ist teuer. Und zwar richtig teuer. Mit El Gordo in diesen Moloch. Geht gar nicht. Also stellen wir ihn auf dem knapp 30 km vom Zentrum entfernten Camping do Brasil ab, schlafen dort die erste Nacht und fahren früh mit dem Bus nach Rio rein. Die zweitwildeste Busfahrt meines Lebens. Nur in Nepal durch die Berge war es noch wilder. Wir haben über Booking.com ein Zimmer im Viersternehotel Marina Palace, direkt an der Ipanema gelegen, zum halben Preis gebucht. Immer noch teuer genug. Aber alles klappt, und wir bekommen sogar ein kostenloses Upgrade, eine riesige Suite mit vollem Meerblick. Wir freuen uns über so viel Luxus, das supertolle Frühstück und essen auch im relativ preiswerten Restaurant des Hotels hervorragend zu Abend. So haben wir zwei Tage Zeit, die Hauptattraktionen Rios anzugehen. Das sind natürlich der Pao de Azucar, die Christusstatue, den Botanischen Garten, wo man alle bekannten Pflanzen des Amazonas bestaunen kann und natürlich die Ipanema. Die Copacabana sehen wir nur aus dem Taxi, dass sich durch den Feierabendverkehr wühlt. Die Ipanema ist der etwas edlere und vor allem sicherere Strand. Taxifahren ist ziemlich billig in Rio und die beste Art, die weit von einander entfernten Sehenswürdigkeiten schnell zu erreichen. Die Ausblicke kann man kaum beschreiben. Man muss sie erleben. Schaut Euch die Fotos an. Die wohlhabenderen Einwohner Rios schauen übrigens auf Christus Vorderseite. Die ärmeren in den Favelas, die man auf den normalen touristischen Pfaden kaum zu Gesicht bekommt, sehen Christus nur von hinten. So etwas nennt man Stockfehler. Die Zeit vergeht wie im Flug. Abends in der Strandbar mixt man uns eine Pina Colada. Ich sage nur, nie wieder Caipi, wenn man so etwas köstliches ergattern kann. Zurück zum Camping gönnen wir uns ein Taxi. El Gordo steht dort unversehrt. Die beiden Schweizer, die wir am ersten Abend dort kennengelernt und mit denen wir zusammengesessen hatten, sind schon wieder weg. Weil der Platz ca. 45 € am Tag kostet, auch wenn man gar nicht da ist. Unsere und die schweizer Verhandlungsbemühungen waren zwecklos. Die Betreiber sind beinhart beim Geldeintreiben. Dafür sind die WCs ungepflegt und dreckig. Aber das wussten wir alles schon vorher aus dem Panamericana-Forum.

 

Rio war schon der Hammer. Vor allen auch, weil wir relativ gutes Wetter und damit Erfolg hatten, dass so einzutüten. :-) Nur meldet der Wetterbericht, dass es an der Küste in der nächsten Zeit nicht so dolle werden soll. Also entscheiden wir, die Küste zu verlassen und uns in Richtung Pantanal, dem größten zusammenhängendem Sumpfgebiet der Erde, auf den Weg zu machen. Ca. 2.300 km liegen vor uns. In vier Tagen wollen wir das bewältigen, da es unterwegs bis auf das Barockstädchen Ouro Preto nicht viel zu sehen gibt. Minas Gerais ist der Bundesstaat der Bodenschatzgewinnung und der brasilianischen Industrie. Wir sehen viele mehr oder weniger große Buschfeuer brennen. Es ist knochentrocken und heiß. Aber so richtig heiß! Anfangs noch um 35°, abends wenigstens ein paar Lüftchen, die uns, nicht zuletzt auch wegen der hervorragenden Ohrenstöpsel, auf den Postos schlafen lassen. Wir lernen das Truckerleben kennen. Die leben nämlich, wenn sie nicht zuhause sind, auf der Raste. Es gibt dort in der Regel kostenlose, saubere Sanitärs mit Duschen. Jeden Tag wird es heißer. In Ouro Preto schaffen wir übrigens das, was man tunlichst vermeiden sollte. 90 Minuten, um aus der 8,5 Millionenstadt Rio rauszukommen, nur langsam zu befahrende, sich endlos dahinziehende Gebirgspässe und Navi-Verarsche tragen dazu bei, dass wir Ouro Preto erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Keine Kohle in der Tasche und der Kühli ist auch leer. Also Bank und Supermarkt suchen, sich eindecken und dann den Campingplatz im Dunkeln finden, den andere selbst bei Tageslicht nicht gefunden haben. An der Tanke erklärt man mir den Weg, natürlich auf Brasilianisch. Aber so langsam lernt man ja. Wir finden ihn. Dicht! Aber ein wenig Licht. Keine Socke rührt sich trotz Hupens. Da wir die Umgebung nicht sehen und einschätzen können, entscheiden wir, bei Dunkelheit noch an die 200 km an der 3,5 Millionenmetropole Belo Horizonte vorbei, an der Autobahn eine Posto zu finden. Es klappt auch so, wie wir uns das vorstellen. :-) Inzwischen steigen die Tagestemperaturen auf 38° bis sogar 39°. Dazu sehr hohe Luftfeuchtigkeit und null Wind. Die letzte Nacht in El Gordo verbringen wir vor Marcellos Haus in Miranda, eines der Tore zum Pantanal. Wenigstens mal wieder Strom und Internet. Marcello, ein waschechter Indigeno, betreibt mit seiner Frau aus der Schweiz eine kleine Ranch und bietet Explorertouren ins Patanal an. Die Ranch, der heiße Tipp aus dem Reiseführer, ist momentan aber dicht und Mirijam in der Schweiz. Wir können Marcello mit Hilfe der Tankwarte an der Posto telefonisch erreichen. Wir sollen zu seinem Stadthaus kommen. Er hat morgen Geburtstag und lädt uns zu einem Assado und einigen Bierchen ein, schlafen müssen wir aber im El Gordo. Und der hat sich zur Sauna gemausert. Es ist nahezu unerträglich. Der Schweiß fließt in Strömen. Und Gabi hat sich auch noch auf dem völlig unebenen Pflaster lang gemacht und klagt über heftige Schmerzen im Knie. Es ist irgendwie nicht unser Tag. Ein Fensterriegel im Alkoven gibt auch noch seinen Geist auf.

 

Wir haben überlebt und fahren die vom Reiseführer und Marcello empfohlenen 120 km Nebenstrecke durch das Pantanal nach Corumba. 120 km auf steinharter Wellblechpiste voller Schlaglöcher und mit faustgroßen Steinen garniert, sind für El Gordo und uns eine harte Prüfung. Inzwischen herrschen permanent 39°. Selbst die Fotopausen sind eher eine Qual. Viele Tiere sehen wir leider nicht, nur Vögel ohne Ende und eine traumhaft schöne Landschaft. Wahrscheinlich haben sich viele Tiere wegen der Hitze zurückgezogen. Das Pantanal ist so groß wie Dänemark, Niederlande, Portugal und Belgien zusammen. Wir haben also nur einen winzigen Teil gesehen. Trotzdem geben wir auf. Nach der abenteuerlichen Überquerung des Rio Paraguay auf einer uralten, winzigen Fähre, frage ich Gabi, was sie davon halten würde, in Corumba in ein Hotel zu ziehen, dass folgende Bedingungen erfüllen muss: Klimaanlage im Zimmer, Pool und gute Parkierung für El Gordo und am Rand der Stadt gelegen. Selten habe ich Gabi so strahlen gesehen. Wir machen es so, schlafen gut gekühlt, erfrischen uns bei geschätzt 30° warmen Wasser im kleinen Pool (das geht, wenn die Luft 10° wärmer ist) und bleiben noch einen Tag. Leider meldet Firefox beim Free-WiFi hier im Hotel ärgste Sicherheitsbedenken. Wir werden noch warten und wollen den Bericht erst einstellen, wenn wir sicheres Internet haben werden.

 

Auch die Brasilianer leiden wie wir unter der Hitze. Sie ist für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich. Und langsam erklärt sich wohl das Ganze. Hier liegt ein riesiges Hitzehoch wie eine Glocke, dass sich nicht wegrührt und die Ausläufer der um das Hoch zirkulierenden Tiefs an die Küste leitet. Shit happens!

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