Reisebericht Oktober 2015
07.10. Flug Hamburg über Madrid nach Montevideo, Ankunft am 08.10. -->  Paraizo Suizo, 8 Nächte, vor Ort 250 km --> Uruguay, freies Stehen am Stausee bei Andresito, 1 Nacht --> Argentinien, bei Gualeguaychu, Camping Puerta del Sol, 1 Nacht --> Parana, CP Municipal, 1 Nacht --> Cordoba, CP Municipal, 2 Nächte --> La Cumbre, Camping El Paso, 1 Nacht --> Villa Carlos Paz, Camping ACA, 2 Nächte --> bei Alta Gracia am Rio Amiscatean der Ruta 5, 1 Nacht --> freies Stehen im Parque National Sierra de las Quijadas, 1 Nacht --> YPF-Tanke bei San Juan, 1 Nacht --> San Augustin de Valle Fertil, Camping Municipal, 2 Nächte -->  Parque Provincial Ischigualasto/Valle de la Luna und Parque Provincial Talampaya, Camping PN Talampaya, 2 Nächte --> San Fernando del Valle Catamarca, Camping Municipal, 2 Nächte                               
insgesamt ca. 3.300 km
Man sollte uns eigentlich immer dorthin schicken, wo dringend Regen gebraucht wird. Als wir 1997 das Death Valley in den USA besuchten, war schweres Gerät erforderlich, um die von uns gewählte Straße von Geröll und Schlamm zu befreien, verursacht durch die schwersten Regenfälle seit 1946. Und richtig kalt war es auch noch. Im März dieses Jahres verhalf uns ein 24-stündiger Dauerregen in Mendoza, normalerweise mit durchschnittlich 300 Sonnentagen im Jahr gesegnet, zu einem gemütlichen Kabinentag. Und seit gestern pisselt es nach zuvor eher schönem Wetter mal wieder ganz ordentlich. Und das in den riesigen Halbwüsten, die wir seit einigen Tagen durchqueren und wo in den ausgesprochen attraktiven Naturparks mangels Masse ständig darauf hingewiesen wird, ja sparsam mit dem Wasser umzugehen. Unterbrochen wird der Regen von heftigem, seitlichem Wind mit strammen Böen (Rachas). Beim Fahren werden wir mal wieder, zumindestens gefühlt, zum Spielball der Naturgewalten. Aber wie immer schön der Reihe nach ..
Schon der Anflug auf Montevideo hat es in sich. Die letzte von insgesamt 15 Flugstunden (3 h von HH nach Madrid, 12 h von Madrid nach Montevideo) gestaltet sich wirklich nicht so witzig. Heftige Turbolenzen kennt man ja, wenn man schon einige Langstreckenflüge hinter sich gebracht hat. Aber zwei Durchsacker solchen Kalibers, garniert mit dem angstvollen Schreien vieler Passagiere, als es abwärts geht, sind wohl nur etwas für Hartgesottene und Kunstflieger, denen so ziemlich alles egal ist. Dafür ist der Touchdown dann butterweich. Applaus der Passagiere für die Crew auf einem Langstreckenlinienflug hatten wir bisher auch noch nicht. Nicht weiter äußern möchte ich mich zu der von uns gewählten spanischen Fluggesellschaft; nur dass die wirklich alles dafür tut, in Sachen Comfort und Verwöhnung der Passagiere die berühmt berüchtigte irische Fluggesellschaft erfolgreich zu unterbieten. Das war ein Rückflug in die frühen neunziger Jahre mit dieser uralten Airbus-Möhre. Aber immerhin hat sie die besagten Sturzflüge souverän gemeistert.
Eine gute Woche verbringen wir in angenehmer Gesellschaft im Paraizo Suizo. Wir treffen Bärbel und Jens aus der Nordheide, die wir schon in Deutschland kennengelernt und Rosi und Charly, mit denen wir schon einige schöne Tage im Februar in El Bolson bei Klaus und Claudia auf der Farm verbracht haben und einige Altreisende und Newbies. Allen gemeinsam ist, dass sie schon ganz gespannt und voller Vorfreude darauf sind, was sie in den kommenden Monaten erwartet. Die meisten von ihnen wollen in Richtung Süden, Rosi und Charly zusammen mit dare-to-go nach Brasilien und wir in den Nordwesten Argentiniens, für uns noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Doch zuvor muss El Gordo, der die fünfmonatige Ruhepause insgesamt gut überstanden hat, vorbereitet werden. Eine Undichtigkeit der Kabine muss geortet und repariert werden, und eine Inspektion des Navaras steht an. Silvia und Heinz helfen mal wieder mit allen Kräften. Auch wird die angeblich unkaputtbar mit dem Zahn verbundene CEREC-Krone von dem von Silvia und Heinz empfohlenen Zahnarzt fachmännisch bei Gabi dort wieder aufgesetzt, wo sie hingehört. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an unsere beiden Gastgeber.
Und nun soll es wieder losgehen. Gehen wir das Risiko ein und kreuzen auf dem Weg nach Cordoba die berüchtigte Ruta 14 mit der dort ansässigen noch berüchtigteren Rennleitung oder nehmen wir die Buquebus-Fähre über den Rio de La Plata und umschiffen sozusagen den argentinischen Bundesstaat Entre Rios? Von Jens bekommen wir den erfolgreichen Tipp, an welcher Stelle man die Ruta 14 kreuzen kann, ohne von den Freunden und Helfern ausgenommen zu werden. Es klappt, keine Rennleitung ist in Sicht, und wir verbringen die Nacht in der grenznahen Stadt Gualeguaychu am Ufer des gleichnamigen Flusses. In Parana "genießen" wir abends und nachts auf dem Municipal die lautstarke Wochenend-Duff-Duff-Musik einiger junger Argentinier. Die Ohrenstöpsel verhelfen uns allerdings zur dringend benötigten Nachtruhe, denn es stehen in den nächsten Tagen einige stramme Fahretappen und Besichtigungen an. Der vom Reiseführer als etwas abgewrackt beschriebene riesige Camping Municipal in Cordoba entpuppt sich bei näherem Hinsehen doch in relativ ordentlichem Zustand. Wir können mit El Gordo in die Innenstadt Cordobas fahren, finden eine Playa (privat betriebene bewachte Parkmöglichkeiten) und können so in aller Ruhe den historischen Stadtkern dieser großen Stadt (1,5 Mio. Einwohner) erkunden und bestaunen. Sehr viele und wunderschöne Kolonialbauten schmücken die Umgebung der Plaza San Martin. Schnell merkt man, dass man sich in einer Universitätsstadt aufhält. An die 100.000 Studenten und um die 7.000 Lehrkräfte prägen in vielfacher Hinsicht das Leben in dieser pulsierenden Metropole. Uns gefällt es hier sehr, und wir wollen noch mehr Kulturelles sehen. In der Umgebung von Cordoba liegen verstreut etliche historische Estanzias der Jesuiten, die diese bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1767 aufgebaut und betrieben hatten. Man unterstellte ihnen, einen eigenen Staat aufbauen zu wollen. Deshalb die Vertreibung.
Wir suchen uns zur Besichtigung die Estanzia in Jesus Maria -ja so heißt der Ort- und die in Alta Gracia aus. Erstere von Beiden beeindruckt mit ihrer Schönheit und ihrem ausgezeichnetem Zustand, prall gefüllt mit interessanten Ausstellungsstücken aus drei Zeiträumen. Bei der Estanzia in Alta Gracia haben wir nicht so viel Glück. Beim ersten Anlauf zur Besichtigung stehen wir nämlich außerhalb der Öffnungszeiten vor der Tür. Zuvor haben wir das außerordentlich interessante und liebevoll ausgestattete Wohnhaus der Familie Guevara in Alta Gracia ausgiebig angesehen und sind deshalb zu spät zur Estanzia gekommen. Che Guevaras Eltern zogen 1933 mit ihrem asthmakranken Sohn Ernesto (Che) und seinen Geschwistern hierher. Die Luft der nahen Pampinen Sierren, für argentinische Verhältnisse eher ein Mittelgebirge, sollte Ches Krankheit günstig beeinflussen. Er lebte hier von seinem fünften bis zum sechzehnten Lebensjahr. Auch sein Motorrad, mit dem er große Teile Südamerikas bereiste, ist unter anderem hier zu bestaunen. Nachdem wir schon sein Wohnhaus und seinen wirklich bescheidenen Amtssitz 2011 in Havana in Cuba besichtigen konnten, vervollständigt sich nun unser Eindruck über Stationen seines Lebens. Auch Fidel Castro und Hugo Chavez haben dieses Haus in Alta Gracia schon besichtigt, natürlich fotografisch dokumentiert mit Widmung. Auch beim zweiten Anlauf müssen wir uns mit der Außenbesichtigung der zentral in Alta Gracia gelegenen Estanzia begnügen. Es ist Sonntag und auch Wahltag, der Tag, an dem die Argentinier die Nachfolge Cristina Kirchners entscheiden sollen. Museen und ähnliche Einrichtungen sind heute, zumindestens hier, geschlossen. Informationen darüber? Fehlanzeige. Auch die Touristen-Info hat dicht.
Nach einer tollen Fahrt auf Ripio (so heißen die Schotterstrecken) durch das Gebirge der Pampinen Sierren erreichen wir La Cumbre, ein angenehmer Erholungsort in der Wildnis für eher wohlhabende Leute vor allem aus Cordoba. Viel Folklore und Kunsthandwerk gibt es hier. Weiter auf dem Weg in Richtung Parque National Sierra de las Quijadas, der erste von drei Parques, die wir näher in Augenschein nehmen wollen, sehen wir - wieder unterwegs in den Pampinen Sierren - fast hautnah viele majestätische Condore, den KönigInnen der Lüfte mit bis zu drei Metern Spannweite der Flügel. Bei Sonnenschein genießen wir in der Sierra de las Quijadas fantastische Landschaftspanoramen der Halbwüstenlandschaft und der Schluchten mit ihren tollen Farben. Auf dem zum Parque gehörenden Camping stehen wir einsam und in völliger Ruhe kostenfrei über Nacht. Auf dem Weg zum Parque Provincial Ischigualasto, früher auch Valle de la Luna genannt, versorgen wir uns in San Juan und erleben mal wieder einen typischen Tag in einer argentinischen Mittelstadt. Für den Einkauf von Lebensmitteln und der Stellplatzsuche gehen etliche Stunden drauf. Schließlich landen wir an einer YPF-Tanke und dürfen dort dicht an den Zapfsäulen über Nacht stehen. Mit Gasflamme wollen wir wegen der nahen Zapfsäulen lieber nicht kochen, also werden Stullen gereicht. Die YPF scheint ein sozialer Brennpunkt der Umgebung zu sein. Es ist ein einziges Kommen und Gehen bis in die Nacht. Aber wofür haben wir Ohrenstöpsel. Wir schlafen gut und machen uns auf den Weg zum PP Ischigualasto. Vorher ruhen wir uns aber in San Augustin de Valle Fertil an einem kleinem Stausee zwei Tage aus und bekommen dort von einem sehr netten argentinischen Paar mit den Namen Adriana und Victor jede Menge gute Tipps für unsere Weiterreise. 
Der PP Ischigualasto ist schon schwer beeindruckend für uns. Man darf ihn nicht alleine befahren, kann aber mit eigenem Fahrzeug in einer kleinen Kolonne hineinfahren. Im ersten Wagen sitzt ein Ranger, der an bestimmten Stopps viele Informationen gibt, leider aber nur in spanischer Sprache. Trotzdem ein tolle 40 km lange, gut dreistündige  Rundtour durch diese traumhafte mondartige Landschaft. Besondere Spezialität dieses und auch des folgenden Parques namens Talampaya sind die vielen Saurierfunde, die man hier gemacht hat. Es ist wohl die ergiebigste Gegend unserer Erde für Paläontologen. Man hat hier unter anderem das Skelett des Eoraptor Iunensis, dem ältesten bekannten Raubsauriers der Erde freigelegt. Und noch eins drauf bietet der PP Talampaya, ca. 70 km vom Ischigualasto entfernt. Ein gewaltiger Canyon, in den man allerdings nur mit einer geführten Tour hinein fahren darf. Die Tour dauert ebenfalls gut drei Stunden und bietet atemberaubende Ein- und Ausblicke in die Landschaft. Wir stehen zwei Nächte sehr preiswert am Parkeingang und genießen die absolute nächtliche Ruhe, inclusive tollem Sternenhimmel und sogar einer sehr ergiebigen Sternschnuppe. Während der Tour in den Canyon erleben wir mal wieder den umwerfenden Charme der Argentinier. Wieder vom Ranger nur auf Spanisch und für unsere Möglichkeiten viel zu schnell vorgetragene Informationen werden umgehend von einem sehr freundlichen Argentinier (zu 25 % italienischer, zu 25 % spanischer und zu 50 % deutscher Abstammung) und einer ebenfalls sehr netten Argentinierin so weit es geht für uns auf Englisch übersetzt. Solch nette Gesten machen die manchmal so entnervende Einkauferei und Orientierung in diesem Land allemal mehr als wett. Leider holt ein ziemlich starker Wind schlechtes Wetter heran, das am Abend nach diesem wunderschönen Sonnentag heraufzieht.
Die bisher längste Etappe nach San Fernando del Valle Catamarca von ca. 500 km Länge starten wir bei Regen und kühlen 9°. Nach zwei Passüberquerungen und bei viel Seitenwind mit Rachas in Sturmstärke, viel Nebel und einem zwischendurch eher wenig erfolgreichen Einkaufsversuch in Chilecito (50.000 Einw.) erreichen wir Catamarca (150.000 Einw.), finden sofort einen großen Supermarkt und die Touristeninformation an der zentralen Plaza, wo man uns die Lage des Campings Municipal exakt erklärt. Der ist, wie alle von uns auf dem zweiten Teil unserer Reise angefahrenen Campings, mit umgerechnet insgesamt knapp fünf Euro sehr preiswert. Grund genug, hier zwei Nächte zu bleiben, die warmen Duschen zu genießen, diesen Bericht zu schreiben und Fotos vorzubereiten.
Wenn da nur nicht die grottenhaften bis gar nicht vorhandenen WiFi-Bedingungen wären, die wir bisher vorgefunden haben. Wir geben unser Bestes, allen virtuellen Mitreisenden auch etwas fürs Auge zu bieten. Wird schon noch klappen, bestimmt aber nicht mehr viel besser werden. Wir nähern uns nämlich Bolivien, das wohl nicht nur in dieser Hinsicht nicht so einfach zu bereisen sein wird. Hasta entonces.      

Wir sind hier