Reisebericht Oktober 2014

Corumba --> Bonito (3 Nächte) --> Foz de Iguazu (7 Nächte) --> Grenzübergang nach Argentinien --> Puerto Iguazu  (1 Nacht) --> Ita Ibate (1 Nacht) --> Reconquista (1 Nacht) --> Chazon (1 Nacht) / Gabis 2. böser Sturz --> Santa Rosa (1 Nacht im Top-Hotel) --> Parque Luro Camping (2 Nächte) --> Parque Lihuel Calel (1 Nacht) --> Las Grutas (4 Nächte) --> Puerto Madryn (2 Nächte) --> Punta Padelas auf der Peninsula Valdes (1 Nacht freies Campen) --> Rundfahrt Peninsula Valdes (Unfall) -->Puerto Piramides auf der Peninsula Valdes (4 Nächte)      Insgesamt 4.500 km

 

Im Oktober bringt uns unser Unfall knallhart an unsere (Reise)Grenzen. Haben wir den Aufbruch unseres Autos während der Verschiffung noch gut wegstecken können und Gabis zwei böse Stürze sie nicht zum Aufgeben gebracht, zweifeln wir nach unserem schweren Unfall auf der Peninsula Valdes, ob wir noch weiterreisen können oder überhaupt noch reisen wollen. Aber wie immer der Reihe nach.

Nach der erfrischenden Erholung im Hotel in Corumba, diese Stadt liegt direkt an der Grenze zu Bolivien, machen wir uns auf den Weg nach Süden. Wir wollen über Bonito die Iguazu-Wasserfälle ansteuern, einer der absoluten Höhepunkte der Reise überhaupt. Bonito zeichnet sich dadurch aus, das dort die einem Dschungel ähnlichen Wälder von tiefen und kristallklaren Flüssen durchkreuzt werden. Es ist herrlich, darin zu baden und sich den Flusslauf entlang treiben zu lassen. Hat man Schnorchel und Maske dabei (unsere wurden ja leider geklaut), kann man die unzähligen Fische noch besser beobachten, als sie ohnehin schon zu sehen sind. Es ist Wochenende und schon ist es vorbei mit der anfänglichen Einsamkeit und Ruhe auf dem ca. 20 km von Bonito entfernten "Camping Balneario do Gordo". Einige brasilianische Familien wollen hier ebenfalls ein paar unbeschwerte Tage verbringen. Kaum stehen die Zelte, wird die HiFi-Anlage des Autos aufgedreht und voll ausgereizt und von morgens acht Uhr bis abends um 10 Uhr erschallt reinste Supermarktmusik lautstark über das Gelände. Wenigstens ist es in der Nacht ruhig. Am Sonntag Abend sind wir dann wieder allein auf weiter Flur und genießen die Natur. Wir bekommen Besuch von einem Reh und von vielen uns nicht bekannten großen Vögeln.

Über die bis Iguazu vor uns liegenden Strecke (ca. 800 km) gibt es wenig zu berichten. Es sind reine Fahrtage, die von Routinen bestimmt von uns bewältigt werden. Angekommen in Foz de Iguazu, freuen wir uns über einen tollen Campingplatz, deren Betreiber auch eine Hostelunterkunft und darüber hinaus noch Zimmer anbieten. Besonders erwähnt werden muss an dieser Stelle mal die vorbildliche Sanitäranlage. So eine haben wir bisher in Südamerika noch nicht kennengelernt. Warum ist das bloß nicht überall so? Es geht doch. Sogar einen Pool gibt es, den wir auch reichlich nutzen, denn ist ist sehr heiß, und es wird von Tag zu Tag immer heißer. Schon im Pantanal und in Bonito haben wir uns viele, viele Insektenstiche und -bisse eingefangen. Und es geht lustig weiter mit der Stecherei. Hier mal ein paar Worte zu dem Thema "Vermeidung von Insektenstichen" in Reiseführern. Ab dem späten Nachmittag soll man demzufolge lange Hosen und langärmlige dichte Hemden und Socken anziehen und zuvor mit einem Repellent "duschen". Das mach mal bei 35 - 40° im Schatten, bei absoluter Windstille und extrem hoher Luftfeuchtigkeit. Was ist dann wohl das kleinere Übel? Zumal es trotz des brasilianischen Denguefieberproblems keine wirksamen Repellents zu kaufen gibt. Deet ist hier wohl nicht erlaubt. Lediglich Family OFF gibt es, und das ist ungefähr so wirksam wie Niveacreme. Trotz dieser Widrigkeiten genießen wir das Erlebnis Iguazu und freuen uns riesig darüber, dass wir nun die drei größten Wasserfälle der Erde gesehen haben. Auf der brasilianischen Seite erleben wir sie gemeinsam mit Almut und Simon aus Köln, die beide mit ihren Motorrädern unterwegs sind und mit Janine und Fabian, einem Paar aus Zürich, ebenfalls mit Motorrädern auf der Tour. Die sechs Tage vergehen mit dieser sehr angenehmen Gesellschaft wie im Flug. Almut und Simon raten uns dringend, die Fälle auch auf der argentinischen Seite zu erleben, und wir wollen uns auch an diesen Ratschlag halten, verabschieden uns von den Beiden und wechseln völlig problemlos über die Grenze nach Argentinien. Janine und Florian lassen ihre Moppeds mal für eine Woche auf dem Camping stehen, setzen sich ins Flugzeug und besuchen Fabians Vater in Fortalezza, weit im Norden Brasiliens gelegen. 

Ein kurzes Fazit zu Brasilien. Dieses riesige Land mit seinen sehr, sehr freundlichen und temperamentvollen Menschen (das gilt weniger, wenn sie ein Gaspedal unter dem Fuß oder einen Gasgriff in der Hand haben) entspricht nicht den allgemeinen Klischeevorstellungen, die die meisten Europäer wohl davon haben. Zwar waren wir in Brasilien "nur" ca. 7.000 km unterwegs (ein relativ kleiner Teil des Landes), die hatten es aber auch in sich. Brasilien hat sich uns nicht gerade an den Hals geschmissen. Wir mussten es uns schon etwas erarbeiten. Insgesamt haben wir aber sehr viel Schönes gesehen und erlebt, ausgesprochen nette und liebenswerte, vor allem auch hilfsbereite und mit uns Geduld habende Menschen getroffen. Uns hat Brasilien gut gefallen, und wir werden es in bester Erinnerung behalten.

Die argentinische Seite der Iguazufälle komplettiert das Erlebnis, die tollsten und schönsten Wasserfälle der Erde erlebt zu haben. Zwar sieht man die Fälle von Brasilien aus vor allem im Panorama, man kommt aber auch dem Diablo richtig nahe. In Argentinien dagegen erlebt man sie hautnah, ja fast zum Anfassen. Leider ist auf dieser Seite der fast 1,5 km lange Steg zum Diablo von den Fluten weggerissen worden und auch auf die Insel kann man zur Zeit nicht kommen, aber das schmälert keineswegs das Erlebnis. Wir sind begeistert. Die Iguazu-Wasserfälle zählen mit zu den tollsten Anblicken unseres Lebens. Man sollte sie wirklich unbedingt von beiden Seiten gesehen haben. Darin sind wir uns völlig einig.

Die unerbittliche Hitze, es soll bis zu 40° heiß werden, treibt uns Richtung Küste, zuerst nach Westen, dann nach Süden. Eigentlich eine ereignislose Fahrt von ca. 3.000 km. Fast nur reines Farmland, meistens eingezäunt, nur bei Feldwirtschaft gehts gelegentlich auch mal ohne Zäune. Der Parque Luro ca. 60 km südlich von Santa Rosa ist allerdings ein lohnendes Zwischenziel. Doch noch einmal erwischt es die arme Gabi. Irgendein Vollpfosten hat einen selbigen aus dem Rasen gezogen und das Loch nicht zugeschüttet. Es ist schon dunkel, als wir an der Tanke ankommen und dort auch ein Zimmer nehmen können. Nach einem ziemlich guten und preiswerten Abendessen in der Cafeteria wollen wir noch etwas aus dem Auto holen, und Gabi trifft dieses verdammte Loch. Sie versinkt blitzartig bis über das rechte Knie und knickt dabei mit dem Fuß um. Das immer noch lädierte linke Knie vom ersten Sturz muss das alles auffangen und wird noch einmal verdreht. Es ist eine ziemlich schwierige Situation. Gabi hat ziemlich heftige Schmerzen. Aber wenigstens bekommen wir gutes Eis, mit dem wir den Fuß die ganze Nacht kühlen können. Es ist zum Heulen, aber Gabi beißt die Zähne zusammen, so dass wir am folgenden Tag die Reise fortsetzen können. Wir erinnern uns an unsere Hörbücher und begegnen so der eintönigen und scheinbar unendlichen Fahrerei. Im Parque Luro, früher ein im Privatbesitz des Herrn Luro befindliches ehemaliges Jagdrevier, jetzt aber in kommunaler Hand und zum Wildtierreservat umgestaltetes Gelände von ca. 50 km² und ca. 60 km südlich von Santa Rosa gelegen, wollen wir zwei Tage Pause einlegen. Abends und nachts einsam und alleine, weil die an diesem Wochenende zum Grillen hier eintrudelnden Argentinier gegen 19:00 h den Parque verlassen müssen. Es gibt an die 50 Grillstellen für Asados und wirklich alle sind besetzt. Ganze Lämmer kommen auf den Spieß. Es stört uns nicht, schließlich sind wir ja diejenigen, die in eine fremde Kultur eindringen. Und wir dürfen auch mal kosten. Gabi geht es inzwischen schon ein wenig besser. Sie kühlt mit Gefrierakkus den ganzen Tag ihr mit Diclofenac eingeschmiertes Fußgelenk. Gott sei dank haben wir ein Gefrierfach. So können wir immerhin an unserem zweiten Unterbrechungsgpunkt, dem Nationalparque Lihuel Calel, einen etwas längeren Spaziergang unternehmen. Bis zu 600 m hoch ragen diese Granitberge, vulkanischen Ursprungs, aus der ansonsten topfebenen Pampa. Nach der Überquerung des Rio Colorados nimmt man uns bei der Fruchtkontrolle unsere mühsam und teuer erworbenen Paprikaschoten ab. Wir sind jetzt nämlich in Patagonien, und die zu Patagonien gehörenden Bundesstaaten sind frei von der mediterranen Fruchtfliege, die u.a. Paprika liebt. Große Salinengewässer kreuzen unseren Weg. Wir durchqueren eine riesige Senke, die 60 m unter dem Meeresspiegel liegt, bevor wir unser Ziel Las Grutas nach ca. 3.000 km erreichen. Las Grutas liegt am Atlantik und ist in der Saison für die Argentinier ein begehrter Badeort mit entsprechenden Einrichtungen. Wir fühlen uns, obwohl eigentlich tote Hose ist, hier wohl und bleiben vier Tage auf dem einzigen Campingplatz, der geöffnet hat und relaxen nach der doch etwas anstrengenden Fahrerei. Der Platzkümmerer ist Ave- (Vogel) Fan und zeigt und erklärt uns die vielen verschiedenen Vögel ganz genau, vor allem die vielen, bunten Loras, die wunderschön aussehen und sich den lieben langen Tag lautstark richtig viel zu erzählen haben.

Aber die Peninsula Valdes wartet auf uns. Sie soll ein nächstes, richtig großes Highlight unserer Reise werden. Es ist nämlich Walzeit. Die riesigen Südkapern, Giganten von bis zu 17 m Länge mit entsprechendem Gewicht, ziehen von Juni bis Dezember in den wärmeren, geschützten und küstennahen Gewässern des Golfo Nuevos ihre Jungen groß. In Puerto Piramides wird Walbeobachtung mit Schiffen angeboten. Gabi verzichtet wegen der sehr rauhen See mit entsprechenden Wellen. Ich erlebe Gänsehaut pur, als wir uns mit dem kleinen Boot vorsichtig und sehr langsam an die Wale heranpirschen. Wahnsinn! Es gibt auf der Peninsula Valdes eine einsam gelegene Bucht, in der man über Nacht frei stehen darf. Als wir dort ankommen, sehen wir dort schon ein großes MAN-Reisemobil mit deutschem Kennzeichen stehen. Wolfgang und Anke begrüßen uns freundlich, und wir dürfen uns dazu gesellen. Später kommt noch ein argentinisches WoMo dazu. Die Wale scheinen diese Bucht besonders zu lieben. Während der ganzen Nacht können wir sie atmen und blasen hören. Es ist fantastisch und wird am nächsten Morgen noch besser. Einige, u.a. Mutter mit Kind, schwimmen bis zu drei Meter dicht an die ca. 2,5 m hohe Uferkante heran. Man kann sie fast berühren. Besser gehts nimmer. Nach einigen Stunden beschließen wir, eine Halbinselumrundung zu unternehmen, um noch die Seebären und Seeelefanten zu sehen. Die bis zu vier Tonnen schweren männlichen Seeelefanten liegen bei Ebbe faul am Strand herum und verteidigen ansonsten in blutigen Kämpfen ihre Weibchen gegen ihre Rivalen. Seeelefanten können bis zu 1.500 m !! tief tauchen und übertreffen damit die Wale um das Dreifache. Sie bleiben bis zu zwei Stunden unter Wasser. Das sind wahrlich beeindruckende Leistungen. Die Seelöwen sind zwar deutlich kleiner, aber beileibe keine Leichtgewichte. Sie liegen kreuz und quer zwischen den Seeelefanten und präsentieren sich so, dass man sie bestens beobachten und fotografieren kann. Zwischendurch gibt es auch noch brütenden Magellan-Pinguine zu bestaunen. Was für ein Tag. Wir sind glücklich, so viele Tiere in der freien Wildbahn gesehen zu haben, die man ansonsten nur im TV sehen kann.  

Doch das hat wohl seinen Preis. Am Punto Norte, an der Spitze der Peninsula Valdes, wir sind fast alleine, kommen plötzlich vier große und mehrere kleine Reisebusse an und spucken mehrere hundert alte Amis aus, die umgehend ihre Fotochips füllen. Ist ok, nur der Zauber ist etwas abhanden gekommen, angesichts dieser Menschenmenge. Wir sind ja durch und machen uns aus dem Staub. Wir wollen zurück an die einsame Bucht, in der noch immer Wolfgang und Anke stehen. Vor uns wird der Himmel immer schwärzer, eine gewaltige Gewitterfront kommt uns entgegen. Wir halten an und überlegen, was wir tun sollen, weil wir wissen, dass nasse Schotterpisten extrem heimtückisch zu befahren sind. Da die Front entgegen kommt, fahren wir weiter und bekommen tatsächlich auch nur drei, vier Minuten Starkregen ab. Und dann sehe ich hinter uns im Spiegel die Reisebusse auf der absolut seifigen Piste angebrettert kommen. Die Amis sind fertig und sollen ruckzuck zurück in ihre Hotels in das ca. 180 km entfernte Puerto Madryn gebracht werden. Was macht man in einer solchen Situation. Zwei Fahrfehler meinerseits. Normalerweise nur kleine, jetzt aber sehr entscheidende. Zur Abbiegung haben wir nur noch drei, vier km zu fahren. Die Piste ist inzwischen extrem glatt und schlammig. Rechts vor uns ein VW Gol, der am Rand mit ca. 40 kmh fährt. Ich denke, dass wir dort besser aufgehoben sind als in der Mitte und lenke vorsichtig etwas nach rechts. Fahrfehler Nr. 1. Ich habe schlicht und einfach vergessen unseren Allradantrieb einzuschalten. Fahrfehler Nr. 2. Man darf die Spur nur verlassen, wenn man deutlich langsamer als 40 kmh fährt. El Gordos Heck schiebt sich sofort nach rechts hinunter, das ganze Fahrzeug beginnt sich zu drehen, schiebt sich auf die Mitte der gewölbten Schlammpiste mit betonhartem Untergrund, steht quer und kippt auf die Seite. Den Rest könnt ihr im Reiseblog lesen. Zwar unverletzt, aber völlig geschockt, beziehen wir nach erfolgreicher Bergung ein außerordenlich bescheidenes Minizimmer in einer Herberge und erfahren dort noch Trost von zwei holländischen Paaren. Die schlaflose Nacht ist fürchterlich, die folgenden sind kaum besser. Wir müssen nach Puerto Madryn und dort checken, was wir machen können. Es stürmt. Die Polizei sagt uns, dass wir mit dem Fahrzeug nicht bei Wind fahren sollen. Ziemlich mutlos reinigen wir El Gordo halbwegs und räumen auf, was aufzuräumen geht. Am Samstag bessert sich der Wind, und wir starten immerhin mit eigener Karft auf die 100 km lange Strecke. El Gordo vibriert sehr stark und ein nicht unerheblicher Ölverlust beruhigt uns auch nicht gerade.

Wir haben viel Trost von anderen Reisenden und im Blog und per Mail bekommen. Das hilft ungemein, wenn man sich in einer derartigen Situation befindet. Wir sind unendlich dankbar dafür.

Mehr gibts dann im Novemberbericht zu lesen. 

 

 

 

 

 

 

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