Reisebericht November 2015
In Argentinien von Catamarca nach Tafi del Valle (CP Municipal) 2 Nächte --> Cafayate (CP Sindicato de Luz y Fuerza Salta) 2 Nächte --> Salta (CP Municipal) 2 Nächte --> Purmamarca (CP Hosteria Bebo Viete) 2 Nächte --> Tilcara (CP El Jardin) 1 Nacht --> Humahuaca (CP Bella Vista) 2 Nächte --> Yavi (frei stehend vor dem CP Municipal) 1 Nacht --> Bolivien --> Tupiza (Innenhof Refugio del Turista) 3 Nächte --> Uyuni (Innenhof Hostal El Viajero) 1 Nacht --> Salar de Uyuni (frei stehend Isla Incahuasi) 1 Nacht --> Uyuni (Hotelzimmer Tonito) 1 Nacht --> Sucre (CP bei Alberto zentral in der Stadt) 5 Nächte, Stausee bei Chapallata (frei stehend) 1 Nacht --> La Paz Mallasa (CP Oberland) 4 Nächte, Copacabana am Titicacasee (frei stehend am Strand) 2 Nächte.
insgesamt ca. 3.500 km


Der November bietet uns mal wieder eine Fülle von Impressionen. Wir verlassen den äußersten Nordwesten Argentiniens und fahren durch das wunderschöne Bolivien. Zum ersten Mal auf unserer Reise müssen wir uns mit wirklichen Höhen auseinandersetzen und unseren Reiseverlauf so gestalten, dass wir einige Wochen in großen Höhen verbringen können, ohne höhenkrank zu werden. Für uns ist es unfassbar, dass die Menschen hier auf über 4.000 m z.B. noch locker ihre Fußballspiele austragen und sonst auch ihr tägliches Leben bewältigen können. So, als ob die Luft hier richtig mit Sauerstoff gesättigt wäre. Vielmehr ist es so, dass auf 3.000 m Höhe das Blut nur noch zu 70 % mit Sauerstoff gesättigt wird und der Luftdruck pro 1.000 Höhenmeter um 10 % sinkt. Die Einheimischen sind von klein auf daran gewöhnt, und entsprechend ist ihr Blut ausreichend mit Sauerstoff gesättigt. Unsereiner hat nur zwei Alternativen, wenn es über die hohen Pässe geht. Entweder ruck zuck drüber oder ganz langsam in Etappen in Abständen von 500 Höhenmetern. Zwar sind wir bisher nicht höhenkrank geworden, leiden aber trotzdem unter Atemnot und keuchen und hecheln schon bei den geringsten Anstrengungen. Und so manch schlaflose Nacht will überstanden werden. Obwohl inzwischen höhenadaptiert, empfinden wir doch eine nicht ganz unwesentliche Einschränkung unserer Lebensqualität. Entschädigt werden wir allerdings durch die vielfältigen und atemberaubenden Landschaften der Anden. Aber wie immer der Reihe nach.


Über Catamarca gehts zum ersten Mal durch subtropischen Regenwald so richtig in die Höhe nach Tafi de Valle, wo wir bei leider ziemlich schlechtem Wetter mit Regenschauern auf 2.000 m zwei Tage verbringen. Immerhin können wir unsere Wäsche in einer Lavanderia waschen lassen und uns ein wenig an die Höhe gewöhnen. Weiter nördlich liegt Argentiniens zweitgrößtes Weinanbaugebiet, in dem unter anderem der vorzügliche wahlweise süße oder trockene Weißwein Torrontes angebaut wird. Ein Besuch des modernen und interessanten Weinmuseums in Cafayate und eine sich anschließende Weinprobe runden den Aufenthalt in dieser mit einer lebendigen und hübschen Plaza ausgestatteten Stadt ab. Eigentlich ist die Großstadt Salta das touristische Zentrum im Nordwesten Argentiniens. Bevor wir aber  in den kolonialen Teil dieser Stadt kommen, per Pedes natürlich, laufen wir endlose Straßen entlang, die nicht nur wie ein riesiges Gewerbegebiet aussehen, sondern auch sind. Eine Muckelbude folgt der nächsten, immer mal wieder unterbrochen von Comidas Rapidos (Schnellimbisse), die einem allerdings eher nicht das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Und ist der Laden noch so klein, er bringt stets mehr als Arbeit ein. Und so haben die meisten hier ihr Auskommen. Erwähnenswert ist der öffentliche, gingantische und noch nicht gefüllte Swimmingpool, an dem wir unseren Stellplatz gefunden haben und wo wir die "Two Vagabunds" treffen. Simone und Olaf sind schon einige Jahre mit ihrem Magirus Deutz unterwegs. Mal wieder freuen wir uns über einen gelungenen Plauschabend. Cordoba hat uns aber besser gefallen.


Wir steuern das schon ziemlich touristisch erschlossene Andendorf Purmamarca an, von wo aus man über den knapp 5.000 m hoch gelegenen Paso Jama nach Pedro de Atacama in Chile kommt und von dort dann die berühmte Lagunenroute in Richtung Norden in Angriff nehmen kann. Nach reiflicher Überlegung, wir machen es uns wirklich nicht leicht, beschließen wir, auf die Lagunenroute zu verzichten und über Boliviens Grenzstadt Villazon nach Bolivien einzureisen. Zwei Gründe zeichnen für unsere Entscheidung verantwortlich. Zum Einen fühlen wir uns ab 3.500 m Höhe nicht mehr wirklich wohl - vor der Grenzüberschreitung nach Bolivien übernachteten wir in Yavi auf der argentinischen Seite in 3.700 m Höhe und erlebten eine schlaflose Nacht - und zum Anderen wollen wir nicht alleine die knapp 500 km durch die absolute Wildniss fahren, immer höher als 4.200 m und mit einer Fahrdauer von mindestens vier Tagen. Mit dem Wissen, eine der spektakulärsten Hochgebirgsstrecken der Welt zu verpassen, begnügen wir uns damit, die quirlige Universitätsstadt Tupiza anzusteuern. Nach einigen, wegen der nun stetig ansteigenden Höhe, notwendigen Zwischenübernachtungen in Tilcara und Humahuaca erreichen wir Tupiza. Unterwegs lernen wir Conny und Georg aus Südeutschland kennen, die uns viele  gute Tipps für unseren weiteren Reiseverlauf geben können, da sie von Norden kommen. Zuvor befahren wir aber noch den ersten auch schon spektakulären und über 4.200 m hoch gelegenen Abschnitt des Paso Jama bis zu den Salinas Grandes, die uns schon mal einen Vorgeschmack auf den Salar Uyuni geben.
Tupiza empfängt uns mit einem riesigen Spektakel. Es ist Tradition, dass zu Beginn des neuen Semesters von den StudentInnen der Uni ein Umzug veranstaltet wird, der die musikalischen Traditionen Boliviens verkörpert und die einzeln Regionen des Landes bildlich in verschiedenen Trachten repräsentiert. Bunt, bunter, am buntesten die Kostüme und laut, lauter, am lautesten die vor allem von Blechbläsern und Trommlern dominierte Musik. Einige Kilometer sind die TänzerInnen unterwegs und erreichen ziemlich erschöpft, aber glücklich die große Plaza. Stundenlang schauen wir zu und sind schlichtweg begeistert von dieser gigantischen Show. Wir genießen drei Tage diese tolle Stadt und fühlen uns hier richtig wohl, zumal wir günstig und ungestört auf dem Hof eines Hostals stehen können.


Aber der Salar de Uyuni wartet auf uns, wieder einmal einer der ganz großen Höhepunkte unserer Reise. Wir haben die Wahl. Entweder die 200 km kurze und übelste (von Einheimischen bestätigt) Ripiopiste nehmen oder den 400 km langen asphaltierten Umweg über die weltberühmte Minenstadt Potosi. Wir entscheiden uns für letzteres und steuern zunächst das mit über 120.000 Einwohnern zur Kategorie Großstadt zählende und über 4.000 m hoch gelegene Potosi an. Potosis Cerro Rico, der reiche Berg, wird schon seit Jahrhunderten ausgebeutet und gleicht im Grunde genommen einem schweizer Käse, so durchlöchert ist er. Früher war das Silber, heute vor allem Zinn der Grund, rund 300 Mineneingänge in den Berg zu buddeln. Die gigantische Umweltverseuchung, vor allem mit Quecksilber, trägt ganz wesentlich dazu bei, dass die meisten der unter erbärmlichsten Bedingungen arbeitenden Mineure selten ihr fünfzigstes Lebensjahr erreichen. Man kann einige der Minen besichtigen. Der Eintrittspreis dafür besteht aus Dynamitstangen und Kokablättern, die den Mineuren helfen, den Tag in einer solchen Mine besser ertragen zu können. Doch das ist nix für uns. Wir begnügen uns damit, das wuselige Potosi zu durchqueren und Richtung Uyuni weiterzufahren. Acht mal knacken wir auf diesem Weg die Viertausendermarke und sind froh, dass Uyuni und der gleichnamige Salar auf "nur" 3.700 m Höhe liegen.
Der erste Eindruck, den man von Uyuni gewinnt, wenn man in diese Stadt hineinfährt, ist der, dass man am liebsten sofort wieder umkehren möchte. Man fragt sich, ob man schon einmal eine so hässliche von Menschen bewohnte Ortschaft gesehen hat. Doch es wird besser. Ein halbwegs respektables Zentrum macht auf sich aufmerksam. Hier brummt der Tourismus, der vor allem von dem Salar Uyuni und den verschiedenen zu befahrenden Varianten der Lagunenroute lebt. Touranbieter an Touranbieter reiht sich an der Hauptstraße entlang. Der Salar ist trocken, was in dieser Jahreszeit nicht unbedingt sein muss, und so können wir mit El Gordo auf eigene Faust den Salar befahren. Steht er unter Wasser, riskiert man deftige Schäden am Auto durch das ätzende Salzwasser. Und was macht man auf solch einem Salar? Nach Herzenlust relativ schnell über die Salzplatten brettern, Fotoshootings machen und sich an dem grenzenlosen Weiß erfreuen. Fünfziger Sonnencreme, Schirmkappe und Sonnenbrille und Fotoapperat sind natürlich unentbehrlich. Aber aus dem zunächst kräftigen Wind entwickelt sich ein handfester Sturm, der zwar nicht wirklich gefährlich für uns und El Gordo ist, aber doch ziemlich unangenehm. Was dann folgt, kann in unserem Blog gelesen und angeschaut werden.

   
Der Salar Uyuni mergelt einen so richtig aus. Knochentrocken ist die Haut, ständig läuft die Nase, die Lippen reißen ein, die Höhe und die Luftnot tun ihr Übriges. Widererwarten schlafen wir gut in unserem Gefängnis auf der Rückseite der Isla Incahuasi und kommen, nachdem wir uns den Rat des Rangers zu Herzen genommen haben, auch glücklich wieder auf das Salz, fahren die 80 km zurück nach Uyuni und nehmen uns dort ein angenehmes Hotelzimmer mit einem Bano nur für uns allein für eine Nacht, natürlich erst nachdem El Gordo in einer Lavadora sorgfältig von dem Salzschlamm befreit werden konnte. 

    
Nach so viel schöner, aber auch sehr rauer Natur, zieht es uns nach Sucre, der Hauptstadt Bolviens. Im Vergleich zu der Dreimillionenstadt La Paz ist Sucre mit gerade mal ca. 260.000 Einwohnern eher klein geraten. Aber sie ist die schönste Stadt, die wir bisher in Südamerika besucht haben. Reine Kolonialbauten säumen die Straßen des Zentrums und die große Plaza mitten in der Stadt. Keine "modernen" Betonbauten dazwischen stören dieses Bild. Und wir wohnen bei Alberto und seiner reizenden Familie mitten im Zentrum bei ihnen auf dem Gartengrundstück und genießen zusammen mit James und Henriette aus Südafrika die Tage in Sucre. Alberto ist emeritierter Professor (Elt.-Ing.) an der Uni, lehrt noch ein bisschen und  hat in seinem Garten eine kleine Werkstatt, in der er vor allem Elektromotoren neu wickelt und alles repariert, was mit Elt zu tun hat. Sauwohl fühlen wir uns hier an diesem Ort, den wir eher ungern verlassen, um nach einer Zwischenübernachtung an einem Stausee in der Nähe von Chapallata, La Paz, diesen Moloch, der zwischen 3.300 m und 4.200 m hoch liegt, anzusteuern. Anders als in anderen Gebirgsstädten dieser Welt wohnen die Wohlhabenden unten im Talkessel und die Ärmeren oben in Alto, so heißt die unmittelbar an La Paz angebundene Stadt über 4.000 m hoch gelegen. Die Luft ist unten einfach dicker und damit besser. Im von fast allen Reisenden aufgesuchten Hotel Oberland finden wir unseren Stellplatz für La Paz. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir zuvor ca. 200 km südlich in einem namenlosen Kaff zufällig Rosi und Charly wieder getroffen haben, die mit uns in Uruguay zum selben Zeitpunkt gestartet, aber über Brasilien nach Bolivien gekommen sind. Wir stellen fest, dass unsere nächsten Ziele in Bolivien und Peru dieselben sind und beschließen, erst einmal gemeinsam die Reise fortzusetzen. In La Paz können wir die so wichtige KFZ-Versicherung für Peru kaufen und einige Reparaturen und Wartungsarbeiten an El Gordo vornehmen. La Paz, nicht ganz ungefährlich, erleben wir vor allem bei den etlichen Taxifahrten, die wir unternehmen müssen. So gewinnen wir einen Eindruck von La Paz, der eigentlich, zumindestens unten, ganz gut ist. Aber näher wollen wir diesen Moloch gar nicht kennenlernen. Das vom Oberland aber fußläufig zu erreichende Valle de la Luna wird natürlich in Augenschein genommen. Ganz hübsch zwar, kann es das Valle de la Luna aber doch nicht mit den vielen atemberaubenden Landschaften, die wir in den letzten Wochen gesehen haben, aufnehmen.


Ausgeruht und gestärkt wollen wir nun den Titicacasee erleben, den höchstgelegenen schiffbaren See der Erde. 3.700 m hoch gelegen, an den tiefsten Stellen mehr als 300 m tief, ist der Titicacasee 13 mal !! so groß wie der Bodensee. Zum Baden lädt er nicht ein. Mit seinen auf Dauer 12° ist er viel zu kalt und darüber hinaus auch leider schon ziemlich durch die Einleitungen der zahllosen an seinen Ufern gelegenen Minen verseucht. Trotzdem ist es magisch, als wir fußläufig von Cocacabana (dieselbige Cocacabana in Rio hat ihren Namen von hier) gelegen, zwei Tage am Ufer des Sees stehen und die Stille und die Sonnenuntergänge genießen. Es ist wie am Meer, man kann den Horizont nicht sehen. Im Dezemberbericht gibt es dann zu lesen, was wir bei den Uros auf ihren schwimmenden Inseln im Titicacasee erleben werden und wie es dann weitergeht. Bis dahin ..  

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