Reisebericht Januar 2016
1 Nacht in Puyango, frei stehend --> 6 Nächte Vilcabamba, CP Hosteria Izhcayluma --> 3 Nächte Cuenca, CP Hostal Yuancay --> 3 Nächte Riobamba, CP im Garten von Stadtvilla des Hostals Oasis --> 1 Nacht Chugchilan auf dem Parkplatz des Hostals Cloud Forest --> 1 Nacht Tabacundo im Hotel --> 12 Nächte am Lago Yaguacocha bei Ibarra, Finca Sommerwind --> 1 Nacht Las Penas (Küste) Cp frei am Strand hinter dem Restaurant --> 2 Nächte Sua (Küste), CP Cabanas Sol Sua --> 2 Nächte Pedernales, Zimmer im Hotel Royal (1 Nacht im Januar / 1 Nacht im Februar)


Nach der kleinen aber feinen (Grill)sylvesterparty unter Palmen am Strand in Zorritos (Peru) soll es am Neujahrstag über die nahgelegene Grenze nach Ecuador gehen. In das senkrechte Land, so wirkt es nämlich zunächst auf uns, mit seinen unendlichen Aufstiegen und Abfahrten. Anders lassen sich die vielen, vielen steilen Berge der Anden in diesem Land nicht überwinden. Das beansprucht natürlich unseren braven El Gordo ungemein. Die vorderen Felgen sind abends schwarz vom Abrieb der Bremsklötze und auch die Kupplung macht inzwischen durch gelegentliches leichtes Rutschen auf sich aufmerksam.
Übrigens bin ich geneigt, alles zurückzunehmen, was ich über die wilden brasilianischen Autofahrer zu Beginn unserer Reise geschrieben hatte. In Ecuador wird das von den hiesigen Fahrern (Fahrerinnen sind hier ausdrücklich ausgenommen) nochmal locker überboten. Die Straßen werden zu Rennpisten erklärt, hier wird um jeden Zentimeter hart gekämpft, niemals wird nachgegeben und die Überholmanöver in den Kurven der Bergstraßen gleichen Harakiriangriffen. Wieso soll ich nicht überholen können? Der/die entgegenkommende Fahrer(in) kann doch gefälligst bremsen! Warum ich? Kapierste denn nicht, dass ich es eilig habe?  Es ist der pure Wahnsinn, was hier einem geboten wird. Auch in den Städten erleben wir in den Straßen Nahkampf pur. Wer links abbiegen will, überholt den Vordermann mal eben schnell auf der rechten Seite und schneidet ihm dann linksabbiegend ratzfatz den Weg ab. Ohne zu blinken versteht sich. Nur die roten Ampeln werden wenigstens halbwegs beachtet. Ansonsten gibts hier wohl keine bis nur wenige Verkehrsregeln. Und dieser Disziplinlosigkeit im Verkehr begegnet man natürlich wie überall in Südamerika mit Speedbumbs ohne Ende. In Ecuador sind sie von der übelsten Sorte, häufig nicht gekennzeichnet. Und das ist das Gemeine, manchmal grell markiert und manchmal so gut wie gar nicht zu erkennen. 250 km am Tag, viel mehr geht nicht. Danach sind wir jedesmal völlig geschafft. Die Verkehrsdichte ist obendrein auch nicht von schlechten Eltern. Und die (stets freundliche) Rennleitung beschränkt ihr Tun und Lassen bei den häufigen Kontrollen darauf, einen zu fragen, wo man her kommt und wo man hin will. So, dass musste mal raus. Und jetzt wieder der Reihe nach.


Unser erstes Ziel ist der Puyango Petrified Forest im Südwesten Ecuadors, dicht an der Grenze nach Peru gelegen. Hier ist es heiß und unerträglich schwül, als wir ankommen. Die millionenjahre alten versteinerten Baumriesenstämme sind zwar ganz interessant anzuschauen, aber klitzekleine Sandflys, die man im Wald zwar nicht sehen, dafür aber um so mehr spüren kann, nerven ungemein. Anfangs nehmen wir das auch gar nicht so richtig ernst, als die kurzbehosten Beine anfangen, unerträglich zu jucken. Später steigt der Verbrauch an "Autan danach" sprunghaft an. Und es fängt an, wie aus Kübeln an zu regnen. Nach einer ziemlich schlaflosen und durchwälzten Nacht nehmen wir nun Kurs auf Vilcabamba, mit 1.700 m deutlich höher gelegen, mit sehr viel angenehmeren Temperaturen, und schwül ist es auch nur wenig. Auf der Fahrt dahin meldet sich gelegentlich die Kupplung. Wie im Blog beschrieben, können wir den Austausch der Kupplung innerhalb von fünf Tagen organisieren und genießen ansonsten die Annehmlichkeiten der von zwei deutschen Brüdern aufgebauten und geführten wunderschönen Hosteria Izhcayluma. Wir lernen eine sehr nette brasilianische Familie kennen, die ihre mit ihrem riesigen Weltreisemobil geplante Worldtour wegen des rapiden Kursverfalls der brasilianischen Währung abbrechen muss. Obwohl wahrscheinlich nicht gerade arm, reicht ihr Geld einfach nicht mehr aus, die Reise fortzusetzen. Bekamen wir im Herbst 2014 gerade mal gut zwei Real für einen Euro, so gibt es jetzt 4,5 Real dafür. Für die Brasilianer haben sich innerhalb von 18 Monaten die Reise- und natürlich auch die Lebenshaltungskosten eben mal mehr als verdoppelt.


Wir wollen unsere Reise fortsetzen und die schönste Stadt Ecuadors mit dem Namen Cuenca (300.000 Einwohner) besuchen. Die Straße führt uns durch wunderschöne Landschaft in die Stadt des Panamahutes, der hier in der Gegend und nicht !! in Panama hergestellt und verkauft wird. Die Catedral Nueva in Cuenca besticht durch ihre Größe und auch die Altstadt mit der großen Plaza kann sich wirklich sehen lassen. "Aber" so manchmal haben wir inzwischen das "kennt man eine, kennt man alle"- Gefühl. Die schachbrettartig aufgebauten Städte Südamerikas ähneln sich doch sehr, und manchmal fällt es einem schwer, später in der Erinnerung auffällige und/oder wunderschöne Bauten noch der richtigen Stadt zuzuordnen. Ähnlich geht es uns mit den unzähligen farbenfrohen und wuseligen Märkten, die wir besucht haben. Aber ein schicker Panamahut wird natürlich gekauft, und den braucht man hier wirklich. Die Sonne steht nämlich steil am Himmel und brennt einem unerbittlich auf die Murmel. Also heißt es, Hut oder Kappe auf, um einen Dachschaden zu vermeiden. Auf dem Camping des zentral gelegenen Hostals Yuancay stehen wir mit Rosi und Charly, Schawi und Monica und einigen anderen Reisenden zusammen, und am abendlichen Lagerfeuer wird beim Bierchen mal wieder fleißig geratscht. Bestimmt ist auch so einiges an Seemannsgarn darunter. ;-)


Von jetzt an trennen sich erst einmal unsere Wege. Wir wollen nach Riobamba (150.000 Einwohner). Vom dort gelegenen Aussichtshügel kann man drei riesige Vulkane auf einen Streich sehen. Wenn man denn Glück hat, und die Wolken den 6.310 m hohen Vulkan Chimborazo (der höchste Berg Ecuadors), den 5.319 m hohen Altar und den ähnlich hohen Tungurahua freigeben. Wir haben das Glück und können so den An- und Ausblick auf die Giganten genießen. Es tut auch mal gut, für ein paar Tage alleine im Garten einer kleinen alten Villa stehen zu können. Hier haben wir alles, was wir brauchen und fühlen uns bestens und sicher aufgehoben. Außerdem können wir in diesem blütenreichen Garten viele Kolibris auf ihrer Jagd nach Nektar beobachten.


Natürlich müsste mal wieder Glück mit dem Wetter her, um die Fahrt nach Chugchilan genießen zu können. Nach einem Abstecher nach Banos, das uns nicht so beeindruckt, biegen wir in Latacunga nach Westen ab und fahren über einen 4.025 m hohen Pass in das Pueblo Chugchilan, das in der Nähe des Lago Quilitoa liegt. Das ist unser eigentliches Ziel, dieser riesige Kratersee, um den man herumwandern kann. Aber wir sind nach so vielen Tagen im Flachland noch nicht wieder ausreichend höhenadaptiert, und so entschließen wir uns, in Chugchilan beim Hostel Cloud Forest auf 3.100 m Höhe zu übernachten. Eine weise Entscheidung, denn das mit dem Wetterglück war auf der Anreise erst einmal nix. Aber am nächsten Morgen strahlt uns dafür nach einer durchregneten Nacht die Sonne vom strahlend blauen Himmel ins Gesicht. Perfekte Bedingungen, den Kratersee zu besuchen. Auf eine komplette Umrundung des Kraters, die ca. sechs bis sieben Stunden immer zwischen 3.800 m und 4.200 m Höhe in Anspruch nimmt, verzichten wir und begnügen uns mit einer Teilumrundung. Die Luft ist zu dünn und wir wollen noch einiges mehr an diesem wunderschönen Tag unternehmen. Der spiegelglatte, türkisfarbene See begeistert uns. Mal wieder ein Highlight unserer Reise. Und den Hals nicht voll gekriegt, muss jetzt noch der nicht weit entfernte Cotopaxi-Nationalpark her. Wir nehmen den Südeingang mit der sehr guten asphaltierten Straße und erkundigen uns bei den Parkrangern, ob wir durch den Park zum Nordausgang fahren können. Das ginge, sagt man uns. Gesagt getan. Allerdings war das keine weise Entscheidung, wie sich später herausstellen wird. Der 5.897 hohe Cotopaxi, einer der höchsten aktiven Vulkane der Erde, ist derzeit sehr aktiv und entsprechend gefährlich. Man darf derzeit nicht im Nationalpark übernachten und auch nicht zur Schutzhütte Jose Ribas hinauf, von der man sonst bis an den über 5.000 m hoch gelegenen Gletscherrand steigen kann. Aber Petrus hat wenigstens ein Einsehen mit uns, und der Gipfel präsentiert sich in aller Pracht. Wir sind trotz der Einschränkungen vom Cotopaxi-Nationalpark ziemlich angetan. Vor allem, als wir eine ausführliche Rast an der schön gelegenen Laguna Limpiopungo einlegen.


Aber dieser bis jetzt so herrliche und spannende Tag wandelt sich abrupt in sein Gegenteil, als wir weiter in Richtung Nordein/ausgang fahren. Die Ripiopiste wird immer schlechter. Der einsame Ranger am Nordeingang zuckt mit den Schultern, als wir uns nach dem weiteren Zustand der Piste erkundigen. Es ginge halt, meint er, mas o menos wir zuvor. Also fahren wir. Die sogenannte Straße wandelt sich bald in einen zeimlich steilen Kopfsteinpflasterweg, aus faust- bis kindskopfgroßen runden Steinen bestehend, ca. 20 Kilometer lang und immer wieder mit riesigen Schlaglöchern und Schlaggruben ganiert. Ca. fünf und zehn kmh beträgt unsere Geschwindigkeit im Durchschnitt und wir fürchten ernsthaft um El Gordo. Es dauert ewig, bis wir trotz der Widrigkeiten unversehrt endlich die nach Machachi führende Teerstraße erreichen. Wir atmen tief durch und wollen, da in ungefähr zwei Stunden die Sonne untergehen wird, schnell zu der von I-Overlander empfohlenen, nicht weit entfernten Hacienda. 30 US$ will man von uns haben, damit wir auf dem Parkplatz vor der Hacienda stehen dürfen. Unverschämt! Zwar völlig kaputt, können wir der Versuchung widerstehen und machen uns dummerweise auf den Weg nach Quito, der ca. 50 km weit entfernten Hauptstadt Ecuadors mit ihren ungefähr 2,3 Mio. Einwohnern. Und das am späten Freitag Nachmittag zur Rushhour. Viel zu spät kommen wir beim Hostel an, das als Übernachtungsstellplatz in der Reiseszene gehandelt wird. Das Haus ist voll, heißt es und so stehen wir mitten in der dunklen Stadt, Quito spart wohl einiges an der Straßenbeleuchtung und wissen nicht mehr weiter. Andere Hostels haben zu niedrige Toreinfahrten und uns einfach irgendwo hinzustellen, verbietet unser Bauchgefühl. Also raus aus der Stadt nach Norden, Richtung Ibarra. In der Hoffnung, auf dem Land ein Hotel zu finden, wo wir ein Zimmer nehmen können. Das klappt dann auch und wir können uns sogar spät am Abend über eine leckere Forelle freuen, die uns Ausgehungerten noch serviert wird. Uns ist inzwischen klar geworden, dass wir dringend eine längere Reisepause brauchen.


Wir beschließen, am nächsten Tag Richtung kolumbiansche Grenze nach Ibarra zur Finca Sommerwind zu fahren, die Patricia und Hans aufgebaut haben und wo man herrlich campen kann, mit allen Annehmlichkeiten, die ein Camper sich so wünschen kann. Leider hat mich inzwischen zum zweiten Montezumas Rache voll erwischt. Wieder ein Tag 38,4 ° Fieber und dann sechs Tage Durchfall. Also steht man in der Finca goldrichtig, wenn man sich auskurieren will/muss. Oberdrein hat die Hausbank in Deutschland 15.000 Kreditkarten umgetauscht und meine ist dabei. Also hat jetzt Nina zu Hause viel zu tun. Per DHL-Express-Dokumentensendung geht die neue Karte auf den Weg nach Ibarra und ist inzwischen auch unversehrt eingetroffen. :-)


Nach 12 Tagen mehr oder weniger Abhängerei und Aufpäppelei wollen wir noch eine Runde durch Ecuador drehen. Die nördliche und westliche Küste ist unser Ziel. Uns ist schon klar, dass uns schwüle Hitze erwarten wird und angesichts des stärksten El Ninos aller Zeiten unter Umständen auch ziemlich viel Regen. Wir hoffen trotzdem auf ein paar Tage mit Sonne am Palmenstrand. Aber daraus wird eher nix. Schon in Las Penas prasselt der Regen nachts auf uns herunter, als wir hinter Giovannis (super netter Typ) Restaurant (von Hans zu Recht empfohlen) am Strand stehen. Aber wenigstens können wir abends noch im Trockenen sitzen und uns über die aufgetischte fantastische Platte mit Meeresfrüchten hermachen. In den nächsten fünf Tagen werden wir uns fast ausschließlich von leckerem Fisch und Mariscos ernähren. :-) Inzwischen liebäugeln wir aber schon mal wieder mit einem Schnitzel oder etwas in der Art. ;-) Den Strand in Las Penas hat es übel erwischt. El Nino hat so richtig zugeschlagen, wie an der gesamten Küste Ecuadors. Die Flüsse, die aus den Bergen kommen, können all den vielen Regen nicht mehr aufnehmen, treten über die Ufer und tragen vor allem unheimliche Mengen von Müll ins Meer, und die gewaltigen Wellen des Pazifiks werfen den Müll und sehr viel Holz, ja ganze Baumstämme, an den Strand. Die Kanalisation ist in Las Penas komplett ausgefallen. Hier können und wollen wir nicht länger bleiben und fahren deshalb weiter nach Sua, wo es auf den ersten Blick etwas besser aussieht. Aber auch hier hat es starke Überschwemmungen gegeben. Man hat nur schon mehr aufräumen können. Der Pazifik läd mit seiner kackbraunen Farbe, die sich bis zu 500 m weit ins Meer erstreckt, nicht gerade zum Baden ein. Schuld sind auch hier die Flüsse, die unheimliche Mengen von Sedimenten in den Pazifik getragen haben und das Wasser entsprechend einfärben. Und vermutlich handelt es sich nicht nur um Sedimente. Und es ist in der Tat unerträglich schwülheiß, und immer wieder prasseln heftige stundenlange Regenfälle herab. Wir schlafen so gut wie gar nicht und verlassen nach zwei Nächten Sua und fahren weiter nach Pedernales, wo wir uns für zwei Tage ein klimatisiertes Hotelzimmer im "besten" Haus am Platz gönnen. Pedernales strotzt nur so vor Hässlichkeit, verfügt aber über einen tollen Strand, an dem man stundenlang entlang laufen kann. Das tun wir auch ausgiebig, denn Petrus hat ein Einsehen und dreht zumindestens für eineinhalb Tage den Regenhahn zu. Wir können sogar einen tollen Sonnenuntergang von unserem Balkon mit Meerblick genießen. Der Balkon ist der beste Platz, denn hier ist immer ein wenig Wind zu spüren, den wir sonst an der Küste schmerzlich vermissen. Dafür ist das mit der Klimaanlage aber auch wieder nüscht. Entweder nur total laut volle Pulle geht die oder gar nicht. Aber immerhin haben wir die Oual der Wahl zwischen totfrieren oder totschwitzen. Aber die Regenpause ist nur kurz. Der Wind schlafft völlig ab, also die besten Bedingungen für die Wolken, ihre Schleusen zu öffnen. Wir beschließen, unseren Küstenaufenthalt abzuschließen und zurück in die Berge in das berühmte, von den Reisenden schon fast verklärte Mindo zu fahren. Nicht vergessen zu beschreiben möchte ich die Fahrt an die Küste und an der Küste entlang (trotz vieler Erdrutsche) durch die wirklich traumhaft schöne, kaum zu beschreibende tropische Landschaft, die wir gesehen und  erlebt haben. Nur ganz wenig Tourismus, hier leben die armen Ecuadorianer in dieser herrlichen Landschaft, leider aber in prekären Verhältnissen. Sie sind zu 80 % Nachfahren entflohener schwarzer Sklaven, die hier versuchen müssen, über die Runden zu kommen. Und angesichts des schwülheißen Klimas kann ich es voll verstehen, dass die Ernergie einfach nicht immer im nötigen Maß vorhanden ist, um große Dinge auf die Beine stellen zu können. Müsste ich hier leben, würde ich zum Dorfpenner Nr. 1 mutieren. Ich könnte hier nur im Schatten hocken und auf ein wenig Wind vom Meer hoffen. Mehr wäre bei diesem Klima nicht drin. Hut ab vor den Menschen, die hier leben und arbeiten und trotz der vielen klimabedingten Schwierigkeiten ganz offensichtlich viel Lebensfreude haben und das auch zum Ausdruck bringen. Wenn sie rausgeputzt (sind sie eigentlich fast immer) am Sonntag zur Kirche unterwegs sind, das sieht schon toll aus.   
Über die in Mindo erlebten, teilweise haarsträubenden Geschichten erzählen wir dann in unserem nächsten Bericht. Bis dahin ..                     

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