Reisebericht Januar 2015
Camping Los Torres del Simpson (in der Nähe von Coihaique) 4 Nächte --> Camping Arrayanes (in der Nähe von Puyuhuapi) 2 Nächte --> Camping Las Sauces (in der Nähe von La Junta) 1 Nacht --> Camping Los Coihues (Futaleufu) 3 Nächte --> Camping Maitenal und Camping Lago Rivadavia im Parque Nacional Los Alerces 5 Nächte --> CP La Chacra in El Bolson 2 Nächte --> CP Delta del Azul am Lago Puelo 7 Nächte --> Farmleben bei Klaus (in der Nähe von El Bolson) 10 Nächte       insgesamt ca. 1.100 km
Wir hätten nie daran gedacht, dass wir mal "Ferien auf dem Bauernhof" machen würden. Doch die 10 Tage auf der Farm von Klaus in der Nähe von El Bolson entpuppen sich als ein Highlight unserer Reise. Die großen spektakulären Ziele im Süden Patagoniens sind "abgearbeitet" und nun wollen wir unser Reisetempo deutlich herunterfahren. Uns ist etwas nach Urlaub vom Reisen zumute. Und wo geht das besser, als in den mit vielen riesigen, aber auch kleineren und lauschigen Seen geschmückten Anden, ganz im Westen Argentiniens und ganz im Osten Chiles. Damit verbunden sind etliche problemlose Grenzwechsel zwischen diesen beiden Ländern. Das wegen des häufigeren Regens satte Grün vor allem im kalten Regenwald der Anden auf der chilenischen Seite  verwandelt sich in eine knochentrockene Gebirgslandschaft in Argentinien. Im Sommer kommt der Regen hier nur selten an. Dafür scheint sehr häufig die Sonne, und in den Seen kann man herrlich baden. Ein Panoramablick folgt dem nächsten. Die Landschaft ist umwerfend schön, gleicht häufig der in den Alpen. Nur leben sehr viel weniger Menschen darin. Die Strecken zwischen den Ortschaften sind häufig menschenleer. Nur in den Nationalparks steppt der Oso (Bär). Wegen der großen Sommerferien ist absolute Hochsaison angesagt. Die Campingplätze sind voll und die Lebenshaltungskosten leider saftig nach oben geklettert. Trotzden gefällt es uns hier. Wir entspannen und genießen den Sommer. Abhängtage lösen Aktivtage ab, und die Tage rauschen nur so dahin. Aber wie immer der Reihe nach.
Nach den etwas feuchten, aber ansonsten angenehmen vier Tagen am Rio Simpson steuern wir Puyuhuapi an. Zunächst versorgen wir uns Puerto Aysen für vier Tage im Supermercado und freuen uns anschließend über die nun bis zur Abzweigung nach Puerto Cisnes (lassen wir links liegen) ausgezeichnete asphaltierte Carretera Austral (RN7). Dafür wird es ab diesem Punkt richtig heftig. Wir erleben die RN7 nur noch als Gravelpiste, häufig mit 15 bis 20 km langen Baustellen garniert. Tempo 20 bis 30 kmh ist angesagt. Schlaglöcher, die eher Schlaggruben sind und übelstes Wellblech rütteln El Gordo und uns durch. Von der magischen Landschaft sieht selbst Gabi nicht allzuviel. Beide stieren wir auf die Piste und versuchen, die Schläge so weit wie möglich auf das Unvermeidbare zu reduzieren. Wahrlich ein Knochenjob. Belohnt werden wir mit super schön gelegenen Campingplätzen, die Anfang Januar noch ziemlich leer sind. Aber das wird sich bald ändern.
Am Tag bevor wir auf dem CP Arrayanes mal wieder unsere österreichische Familie treffen, steht die Besichtigung des hängenden Gletschers mit dem Namen Ventisquero Colgante im Nationalpark Queulat an. Eine Wanderung, laut Wanderführer leicht, aber stets streng! bergan, völlig verschlammt und manchmal gehts nur noch im Bachbett weiter. Stundenlang haben wir das Gefühl, im Urwald im Kreis zu laufen. Ziemlich geschafft bestaunen wir am Ziel, dem Mirardor, dieses gewaltige Gebilde, von dem man glaubt, dass es jeden Moment zu Tal donnert. Aber lediglich kleinere Eisbrocken, ca. kühlschrankgroß, brechen ab und knallen mit Kanonendonner nach vielen, vielen Metern Flug auf die Felsen im Tal.
Mit Tibor und Petra sprechen wir auf dem CP Arrayanes auch darüber, ob wir am nächsten Tag einen Abstecher nach Puerto Raul Maria Balmaceda, an der Pazific-Küste Chiles gelegen, unternehmen wollen. Der Reiseführer preist diese Tour an und bewirbt sie mit der Verlockung, dass man dort super Fisch essen und kaufen kann und obendrein sollen am Strand noch wilde Erdbeeren wachsen. Frau Schlau (Gabi) äußert Bedenken, aber Herr Schlauer (Jürgen) setzt sich durch. Im strömenden Regen fahren wir über 100 km auf der sehr schmalen und mäßigen Schotterpiste duch den kalten Regen(Ur-)wald. Lediglich zwei Autos kommen uns entgegen. Und mal wieder ist wegen der Pistenverhälnisse und des Regens höchste Konzentration angesagt. Krönung ist die Überquerung des breiten Rio Palena mit einer kleinen und modernen Fähre, die zwar kostenlos ihr Geschäft betreibt, dafür aber auf beiden Seiten mit gnadenlosen Auffahrten gesegnet ist. Heckklappen gibt es zwar auf beiden Seiten der Fähre, doch ist es viel bequemer für die beiden Fährleute, die Fähre bei der Ankunft zu drehen und die Fahrzeuge rückwärts rausfahren zu lassen. Die Betonrampen sind auf beiden Seiten unheimlich steil und auf der südlichen Seite sogar mit einer scharfen Kurve versehen. Zweimal rückwärts steil hinauf, wegen der Kurve nur mit schleifender Kupplung, die schon bald mächtig stinkt und kurz vor dem Verrauchen ist. Äußerst schlecht gelaunt erreichen wir besagten völlig strukturlosen Ort, dessen Sand- und Schotterwege ausschließlich aus riesigen mit Wasser gefüllten Schlaglöchern bestehen. Wo es zum Strand geht, beibt uns schleierhaft. Völlig frustriert beschließen wir, umgehend zurückzufahren, erwischen gerade noch die letzte Fähre an diesem Sch...tag und gurken die ganze Strecke zurück. Und wer kommt uns entgegen? Tibor mit Familie, die noch in La Junta einiges erledigt hatten und einige Zeit später losgekommen sind. Die Österreicher lassen sich überzeugen, dass der Ausflug nicht lohnt und drehen um. Wir bleiben über Nacht bei den rustikalen, super schön gelegenen Thermen Las Sauces und genießen das heiße aus dem Kiesbett strömende Wasser, grillen gemeinsam und verabschieden uns am nächsten Morgen voneinander, weil wir nach El Bolson in Argentinien und sie In Chile Freunde treffen wollen. Bei den Thermen schlägt übrigens auch der VW-Amarok auf, der mit uns das Fährenabenteuer teilte. Die beiden Insassen , ein Deutscher und ein Deutsch-Chilene erzählen uns, dass sie im besagten Ort im Restaurant, an dem wir auch vorbei gefahren sind, Fisch bestellt und gegessen hätten. Miniportionen für umgerechnet 40 €. Das Kaff kannste vergessen, sagen sie. So viel zum Thema Reiseführer. Und wir sind froh darüber, dass die Österreicher noch eine Zweitmeinung zu Ohren bekommen. 
Wir quälen uns über die 7 Richtung Norden und biegen in Puerto Ramirez ab nach Futaleufu, an der Grenze nach Argentinien gelegen. Der CP am Fluss liegt zwar sehr schön, besticht aber auch dadurch, dass er mit den zweitschlechtesten Sanitärs auf unserer Reise aufwartet. Intimsphäre gleich null. Die WCs immerhin mit Saloonschwingtüren, die auch schon mal aufgerissen werden, wenn das gerade mal nicht so passt. Reinigung der Banos eher selten bis so gut wie garnicht. Auch im fußläufig gelegenen Futaleufu haben wir den Eindruck, dass man nicht sonderlich daran interessiert ist, Touristen das Leben angenehm zu gestalten. Eine derartige Gleichgültigkeit Reisenden gegenüber, erleben wir hier zum ersten Mal in Südamerika. Seltsam. Es erklärt sich auch nicht, da doch die gesamte Ortschaft fast ausschließlich vom Tourismus lebt. 
Esquel soll unser nächstes Ziel sein. Der vom Reiseführer genannte CP existiert nicht mehr. Einen anderen gibt es nicht. Also wieder einmal das übliche Program. Erst die dritte Tanke verkauft Diesel. Und erst bei der fünften Bank gibts Geld aus dem ATM. Noch zum Supermarkt, für vier Tage Lebensmittel einkaufen, die wir für unseren Aufenthalt im Parque National Alerces benötigen. Nach fast drei Stunden verlassen wir fluchtartig Esquel Richtung Nationalpark, wo wir einen traumhaft schönen, extrem weitläufigen CP mit guten Sanitärs vorfinden. Leider etwas teuer, aber direkt am See. Die Sonne strahlt mit uns um die Wette, und wir hängen volle vier Tage ab. Unseren Beschluss, die ca 100 km Schotterpiste mit einer Übernachtung an anderer Stelle durch den Nationalpark Richtung El Bolson zu fahren, bereuen wir schon ziemlich schnell. Die Piste ist im grauenhaften Zustand, dazu kommt ein für diese Gegend ziemlich starker Verkehr. Die großen Sommerferien sind in vollem Gange und Hinz und Kunz schleppen alles was man zum Campen und zum Angeln benötigt an die vielen Seen des NPs. Dazu gehören nutürlich auch kleine bis große Motorboote, die auf Änhängern über die Piste rumpeln und natürlich deutlich schneller unterwegs sind, als wir. Wir kommen kaum dazu, die Schönheit des NPs zu genießen.
El Bolson nimmt uns gleich gefangen. Laut Reiseführer eher ein staubiges Kaff, wartet El Bolson mit einer guten Infrastruktur auf, die von den vielen Touristen auch gerne in Anspruch genommen wird. Ausgenommen davon sind die völlig unzureichenden Internetverhältnisse. 13 Tage liegen unsere Mails im Mailausgang. Versenden? No! Es sind schlicht und einfach viel zu viele Touristen mit ihren Smartphones im Ort, die auch hier ständig in Betrieb sind. Es ist richtig was los hier. Der berühmte Hippiemarkt El Bolsons ist immer am Dienstag, am Donnerstag und am Samstag geöffent. Bei schönem Wetter auch noch am Sonntag, nur etwas kleiner. Und das Wetter ist schön. Das Besondere an diesem Markt ist, dass hier nur Waren, die selbst hergestellt wurden, verkauft werden dürfen. Also nix aus China u.s.w. ! So erstreckt sich das Angebot von edel bis putzig. Für jeden ist etwas dabei. Und obendrein gibt es noch selbst gebrautes Bier und viele Leckereien zum Probieren. Nach zwei Tagen auf dem Stadtcamping verziehen wir uns in Reichweite El Bolsons an den Lago Puelo und bleiben dort eine Woche. Lesen, Baden, Abhängen, lecker Kochen, das eine oder andere Fläschchen vom guten argentinischen Roten und ein bisschen Wandern ist auch dabei. Und zwischendurch gehts ab und an rein nach El Bolson.
Das Wetter spielt mit, so dass wir in bester Stimmung aufbrechen, um Klaus (unser Versicherungsvermittler) und Claudia auf ihrer Farm 15 km nördlich von El Bolson zu besuchen. War der Hauptgrund für diesen Besuch zuerst die Abholung unserer originalen Versicherungspolice, so war dann die ungemein sympathische vierköpfige Familie und ihre Farm der Mittelpunkt unseres Interesses. Riesig groß, einsam gelegen, mit vielen angefangenen Projekten, die noch fertig werden sollen, fasziniert uns das Leben dieser beiden Reiseabenteurer, die sich vor 12 Jahren nach einer sechzehnjährigen Weltreise auf Motorrädern hier niedergelassen und zuvor vier Jahre lang halb Europa bereist haben, um vor großem Publikum über ihre Reise zu berichten. Auch im Fernsehen waren sie häufig präsent. Ein dickes Buch haben sie auch noch dazu geschrieben. Es heißt ebenso wie ihre Show "Abgefahren". Und wer 16 Jahre unterwegs ist, kann viel erzählen. Und Klaus macht das gerne. Spannende Geschichten haben nicht nur wir gehört, denn zwei Tage nach unserer Ankunft kommen Rosi und Charly aus Bayern mit ihrem dicken Mercedestruck auf den Hof gefahren und später auch noch Kalle, ein beruflich weltweit gereister Journalist, ursprünglich aus Köln, jetzt in Kanada beheimatet, der hier ein paar Wochen mitarbeiten will. Gelegentlich wird die abendliche Runde noch von fünf Leuten, die Klaus' etwas weiter entfernt gelegene Cabana bewohnen, ergänzt. Ein jüngeres Paar mit einem kleinen Baby, die sich ebenfalls in Argentinien niederlassen wollen. Er mit polnischer Abstammung, sie mit deutsch-dänischer. Und wo haben sie vorher gelebt? In Hannover, ganz in unserer Nähe in der List. Sie ist Ärztin und hat natürlich an der Medizinischen Hochschule Hannover studiert. Ich habe ja stets gesagt, dass man aus der MHH, egal wo man ist, immer jemanden trifft. Weltweit, wie man sieht. Dabei sind noch der Vater und der Onkel aus Polen. Es macht uns riesigen Spaß, mit diesen sehr sympathischen, interessanten und weitgereisten Leuten abends am Feuer zu hocken.
Über den Höhepunkt dieser zehn Tage, ein kerniges Assado mit selbstgeschlachtem Lamm, hier kommen besonders die Polen ins Spiel und über den Ausfall unserer Kabinenbatterie, die stundenlange Schrauberei und die notwendigen Testungen deswegen und wie wir das Problem lösen werden, berichten wir, wenn der Februar rum ist. Denn erst einmal müssen wir nach Chile und eine neue AGM-Batterie kaufen. Wenn überhaupt, gibts die in Argentinien nur für richtig viel Kohle. Bis dahin!
Ürigens sollte die Firma Tischer sehr viel weniger Plastik in ihren Kabinen verbauen. Inzwischen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgend etwas aus Plastik abbricht, ausleiert und repariert werden muss. Wie gut, dass wir Putty Reparaturmasse dabeihaben.

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