Reisebericht Februar 2016
Ecuador: 1 Nacht in Pedernales, Zimmer im Hotel Royal --> 2 Nächte in Mindo, CP Hacienda San Vicente, Yellow House --> 11 Nächte Ibarra / Lago Yaguacocha, CP Finca Sommerwind --> Kolumbien: 3 Nächte in Chachagui bei Antoni (super Stellplatz!!) --> 3 Nächte bei Popayan, CP Ecoparque Rayos del Sol Cauca --> 3 Nächte San Agustin, CP Gamcelot --> 1 Nacht bei Gigante, Stellplatz Hotel Villa Claudia --> 1 Nacht bei Rivera im Balneario Juank Rivera --> 1 Nacht bei Villavieja / Desierto Tatacoa, Hostal y CP Noches de Saturn --> 3 Nächte Salento CP Hacienda Sarrento


insgesamt ca. 2.000 km


Unsere Gedanken kreisen jetzt häufig um die für Ende März vorgesehene Verschiffung unseres treuen Reisegefährts von Cartagena (Kolumbien) nach Zentralamerika. Wir nehmen Kontakt zu einschlägigen Agenten auf, die uns zwar einige Angebote unterbreiten, von denen aber nur wenige für uns in Frage kommen. Aber alle haben eines gemeinsam, die Preise sind saftig. Eine von uns bevorzugte Roll on Roll off - Verschiffung (RoRo) fällt flach, weil die Schiffe der SC-Linie gegen den Uhrzeigersinn von Cartagena über Florida (USA) nach Panama fahren und je nach Ladung zwischen zwei und vier Wochen unterwegs sind, mit ungewissen Auslauf- und Einlaufdaten in den Häfen. So können für uns erhebliche Kosten für Hotelaufenthalte, Restaurantbesuche und einiges mehr auflaufen. Letztlich kommt für uns nur eine Load on Load off - Verschiffung (LoLo) auf einem Flatrack in Frage. Ein Flatrack ist eine Plattform mit den Maßen eines Containers, aber ohne Wände und Deckel. Die entsprechenden Schritte sind eingeleitet und so können wir uns langsam in Richtung Kolumbien in Marsch setzten. Aber wie immer der Reihe nach ...


Auch in Pedernales erwischt uns letztlich mal wieder der Regen. Aber immerhin hat es für ein paar längere Strandspaziergänge gerreicht. Das mitten im Nebelwald gelegene Örtchen Mindo wollen wir nun ansteuern. Mindo ist bekannt für die vielen dort lebenden Kolibriarten und auch Tucane sollen dort zu bestaunen sein. Wegen der Höhe ist es nun nicht mehr so schwülwarm, vielmehr sind die Temperaturen und das Wetter recht angenehm, als wir im leicht esoterisch angehauchten Mindo in der Hacienda San Vicente aufschlagen. Im wunderschönen riesigen Garten der Hacienda stellen wir uns auf den von den sehr freundlichen Betreibern zugewiesenen Platz. Genau an der Stelle, wo Camper eben immer stehen, so wird uns versichert. In Mindo gibts einiges zu unternehmen, und wir schauen schon mal im Reiseführer nach, was davon für uns in Frage kommen könnte. Hinter uns steht das Yellow House, das auch zur Hacienda gehört und von Backpackern bewohnt wird. Jetzt gibt es nur zwei davon, ein junges (US-)amerikanisches Paar, das auch nicht lange auf sich warten lässt und uns bittet (auffordert), unseren Platz zu räumen und uns neben das Haus mitten in eine kleine Baustelle zu stellen, deren Platz auch noch viel zu klein für El Gordo ist. Wir würden sie beim Vögel beobachten stören, so schallt es von der oberen Veranda herab, aus der für alle Gäste der Hacienda, also auch für uns, vorgehaltenen Hängematte, wo es sich die Beiden gemütlich gemacht haben. Einen Stellungswechsel wollen wir aber nicht und schon gar nicht, wenn der auf diese Weise vonstatten gehen soll. So von oben nach unten .. Für die Atmosphäre ist das Ganze natürlich nicht so gut.


Am nächsten Tag erklärt man uns in einer Touristeninfo an der Plaza, wie man zum Startpunkt einer Canopyfahrt für Weicheier gelangen kann. Dort klettert man nämlich in eine Art Käfig, der für mehrere Leute ausgelegt ist, setzt sich hin und schon gehts ab am Kabel durch den Nebelwald. Mehrere Kilometer gehts dorthin immer bergauf auf matschiger Straße. Man rät uns, dafür ein Taxi zu nehmen. Gesagt getan, und schon sind wir oben am Startplatz, wo mehrere Männer mittenmang dabei sind, den Antriebsmotor der Canopyanlage zu zerlegen. Heute würde das nix mehr werden, mit dem Canopy für Weicheier, meinten sie und schlugen uns vor, stattdessen doch eine nette kleine Wanderung zu ein paar nicht allzu weit entfernten Wasserfällen zu unternehmen. Würde uns auch nur 10 US$ kosten, die Begehung des Matschtrampelpfades dorthin. Und klaro ist natürlich auch, dass unser Taxifahrer und die Touri-Info an der Plaza keine Ahnung davon hatten, dass der Motor der Anlage hinüber ist. Aber, wenn man schon mal hier ist, versuchen wir es mit der Wanderung und laufen auch los, nachdem wir mit dem Taxifahrer eine Abholzeit verabredet haben. Bergab gehts stetig, und uns graust schon etwas vor dem Rückweg, als es auch noch anfängt zu regnen. Und es hat doch länger gedauert, als angesagt, als wir das erste Wasserfällchen erreichen. Das Taxi, dessen Fahrer es sich auf uns wartend in der Zwischenzeit gemütlich gemacht hat, erreichen wir gerade eben noch, natürlich quatschnass. Sechs $ soll die Fahrt runter nach Mindo kosten. Auf die Pritsche des Pickups klettern noch vier andere Wandervögel, und schon gehts los. Am Ende geben sie (alle vier zusammen) dem Fahrer einen !! Dollar für die Mitnahme in unserem Taxi, verduften, und wir zahlen die restlichen fünf $. Dafür konnten wir aber auf den durchgesessenen Sitzen des Pickups auch mehr Komfort genießen .. Todo 22 $ für fast nix haben wir ausgegeben.


Zurück im Garten der Hacienda werden wir von Angestellten sehr schüchtern gefragt, ob wir uns umstellen könnten. Die beiden Amis waren während unserer Abwesenheit nämlich ziemlich fleißig und haben insistiert. Meine Nachfrage, ob ihnen die Hacienda gehören würde und sie hier das Sagen haben, beantworteten die Amis damit, dass wir Hippies uns ja mit unserer Zigeunerkiste vom Acker machen könnten. Mangels Kenntnisse können sie mit mir natürlich nicht auf Deutsch reden, sagen sie mir, als ich sie frage, warum Amis immer davon ausgehen, dass in einem spanisch sprechenden Land automatisch Englisch gesprochen wird. Spanisch können sie auch nicht, meinen sie. Habt ihr eben Pech gehabt, denke ich mir und beende das Gespräch, nachdem ich den Beiden kurz und knapp klar gemacht habe, dass wir den Platz nicht räumen werden. Am nächsten Morgen packen wir aber und hauen ab, nachdem der Regen nunmehr schon länger als 17 Stunden andauert. Den Betreibern der Anlage ist die Angelegenheit mit den US-Vogelfans ähnlich ihren Angestellten dermaßen peinlich, dass sie sich bei uns x mal entschuldigen und uns noch ein riesengroßes Glas leckerer Marmelade homemade in Mindo schenken.


Als wir die wenige Kilometer nördlich von Quito gelegene offizielle riesige Äquatoranlage mit dem Namen Mitad del Mundo erreichen, scheint wieder die Sonne, und auch das Klima lässt wegen der Höhenlage nichts zu wünschen übrig. Obwohl offiziell aufgemalt, liegt hier die Äquatorlinie an der falschen Stelle und zwar ungefähr 240 Meter neben dem korrekten Ort. Egal, ist auch so schön, unsere Äquatortaufe nun endlich nachholen zu können, nachdem wir die Nulllinie unbemerkt an anderer Stelle in letzter Zeit bereits schon fünf mal überschritten hatten. Viel anzumerken gibt es nicht. Bombastisch ist das Ganze, einige kleine Museen sind ganz interessant, aber viel zu viele Souvenierläden dominieren hier den Äquator.


Es geht noch mal zurück in die Finca Sommerwind bei Ibarra. Hier entspannen wir und können so einiges erledigen. Zum Beispiel beim Dorfdengler drei ziemlich fette Beulen wegmachen lassen, eine im vorderen linken Kotflügel, eine in der linken Halbtür und eine am rechten hinteren Kotflügel, die ich, leicht gerutscht, an einer für mich nicht einsehbaren niedrigen Mauer beim Rangieren El Gordo in Peru zugefügt hatte. Der Dengler und Lackierer erledigt das zügig in guter Qualität für sage und schreibe 100 US$. Die kleinen Schandmale sind wieder weg und wir glücklich. :-) Und dank guter Internetverbindung können wir uns von hier aus auch um die Verschiffung kümmern.


Die Grenzequerung nach Kolumbien bei Tulcan auf der ecuadorischen und bei Ipiales auf kolumbianischer Seite ist zwar die bisher aufwendigste, aber keine wirkliche Herausforderung. Eine SOAT-Autoversicherung für Kolumbien können wir zwischen den Grenzposten kaufen. Also wäre eigentlich alles in Butter, als wir recht spät am Abend in Chachagui wie geplant im Hostal aufschlagen und feststellen müssen, dass der Torbogen für uns mal wieder um wenige Zentimeter zu niedrig ist. Aber wozu hat man Freunde. Carlos, der Betreiber des Hostals, hat einen, der nur 200 m weiter lebt und wo wir durchpassen. Mit dem Ergebnis, am Rand einer gewaltigen, hunderte Meter tiefen Schlucht stehen zu können. Ein fantatischer Ausblick würde uns am nächsten Morgen erwarten, sagt uns Antoni, Carlos Freund. Und genau das tut es auch, als wir morgens aufstehen und unseren Frühstückstisch aufbauen. Drei Nächte bleiben wir hier stehen und genießen den Ausblick und die Gastfreundschaft von Antoni und seiner Familie.


Kolumbien ist schon ziemlich groß, und so müssen wir weiter nach Norden, immer in Richtung Cartagena. Ein paar Schlenker wollen wir aber noch machen. Zunächst gehts es nach Popayan, einer größeren Stadt, bekannt durch ihre vollkommen weiß getünchte, sehr gut erhaltene und sehr schöne Altstadt, die auf uns allerdings wegen des vielen Weiß eher etwas unterkühlt wirkt. Trotzdem gefällt es uns hier sehr gut, nicht zuletzt, weil wir einen riesigen sehr gut ausgestatteten Jumbo-Supermarkt finden, wo es alles gibt, was das Herz begehrt. Und obendrein passen wir auch noch auf den bewachten Parkplatz.    


Der Parque Arqueologico in San Agustin ist unser nächstes Ziel, das wir besuchen wollen und der uns ziemlich beeindruckt, weil er sehr schön angelegt ist und auch wirklich viel zu bieten hat (siehe auch unter Bilder). Drei Nächte bleiben wir auf dem etwas angegammelten Camping Gamcelat. Die Fahrt dorthin führt uns über einen endlosen Pass mit einer nassen, engen und ziemlich kaputten Schotterpiste. Es ist schon ein Erlebnis der besonderen Art, wenn einem auf solchen "Straßen" riesige Sattelschlepper entgegenkommen und mit dem Wissen, durch Guerillagebiet zu fahren. Tagsüber soll die Strecke aber sicher sein.


Um in die Wüste mit dem Namen Desierto Tatacoa zu gelangen, müssen wir nun über die Stadt Gigante, mit Zwischenstation im Hotel Villa Claudia, wo wir auf dem Parkplatz stehen, das ausgezeichnete Abendessen und den tollen Pool genießen können und über Rivera, wo wir am Fluss in einem etwas schrottigen und viel zu teuren Balneario nächtigen. Zum Baden lädt der Fluss nicht gerade ein, obwohl genau deswegen sich an seinem Ufer das Balneario befindet. Und schon gar nicht, als aus seinen Fluten ein ziemlich großer, ca. ein Meter langer Leguan auftaucht, um sich anschließend von uns ausgiebig fotografieren zu lassen.


Die Desierto Tatacoa ist zwar recht hübsch anzuschauen, aber nach all den fantastischern Landschaften, die wir auf unserer zweiten Etappe durch Südamerika gesehen und erlebt haben, doch eher nur zweite Wahl, und obendrein so richtig heiß und schwül. Laut Reiseführer soll es hier nur im April und Mai ein paar Tropfen regnen, aber als wir dort eintreffen, öffnet der Himmel seine Schleusen und es gießt mal wieder gewaltig. So richtig wissen wir eigentlich nicht, was wir hier sollen oder wollen, unternehmen wegen der gnadenlosen Hitze nur einen relativ kurzen Spaziergang ins Gelände und verduften uns am nächsten Morgen in Richtung Salento. Das ist dort, wo der Kaffee wächst und wo es mit knapp 2.000 m Höhe 1.600 m weiter oben ist als in der Wüste und damit auch deutlich erträglicher.


Salento ist ein so richtig hübscher bunter und sehr gepflegter Ort, der gleichermaßen von einheimischen und internationalen Touristen gut besucht wird. Auf dem Camping der Hacienda Sarrento fühlen wir uns sauwohl. Einer unserer Lieblingsplätze. Wir treffen Randy und Silvia wieder und unternehmen mit ihnen zusammen ein paar Ausflüge in das Städtchen und seine Umgebung. Das nah gelegene Valle de Cocora ist hier der touristische Magnet. Hervorragend zum Wandern geeignet, in toller Landschaft mit steilen Bergen und vor allem den Palmas de Cera (Wachspalmen), die hier in großer Zahl spindeldürr und filigran am Rand der Graszone bis zu 60 m in die Höhe wachsen. Die Palma de Cera wurde übrigens zum Nationalbaum Kolumbiens auserkoren und zählt zu den höchsten Palmenarten der Erde.


Bisher haben wir uns in Kolumbien sicher gefühlt und sind überwältigt von der Freundlichkeit, der Hilfsbereitschaft, der Neugier und Fröhlichkeit der Menschen in diesem Land. Auch die zahlreichen Soldaten am Rand der Straßen, die für Sicherheit sorgen, denn so einige Guerillas in zahlreichen Regionen Kolumbiens sind nach wie vor aktiv, sind stets freundlich und signalisieren mit erhobenen Daumen, ob eine Strecke sicher ist oder nicht. Wir sind schon gespannt darauf, was wir noch erleben werden in Kolumbien und natürlich auch auf die karibische Küste und die Verschiffung, und, und, und ..


Das gibts dann im Märzbericht zu lesen.

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