Reisebericht Februar 2015
Farmleben bei Klaus (in der Nähe von El Bolson) 6 Nächte im Jan. und 4 Nächte im Febr. --> Camping Petunia bei San Carlos de Bariloche, 3 Nächte --> Camping Puyehue in Entre Lagos, 1 Nacht --> Camping Municipal Playa Maqui am Lago Llanquihue, 3 Nächte --> Camping Los Alamos bei Puerto Montt, 2 Nächte --> Camping Playa Gaviotas bei Ancud (Chiloe), 2 Nächte --> Camping Llicaldad in Castro (Chiloe), 1 Nacht --> Camping Arena Gruesa in Ancud (Chiloe), 3 Nächte --> Camping Montana in Ensenada am Lago Llanquihue, 2 Nächte --> Campingwechsel in Ensenada, 1 Nacht --> Camping Suizos Turismo Bell bei Los Lagos, 5 Nächte im Febr. und 1 Nacht im März.     insgesamt ca. 1.250 km        
Der Februar ist wie im Flug vergangen und unser Rückflugtermin am 9. Mai nach Deutschland rückt beharrlich immer näher. Aber bis zur Reiseunterbrechung haben wir noch zehn Wochen Zeit, die wir im mittleren Teil Chiles an der Küste und in den Anden verbringen wollen. Auf Höhe von Santiago, der riesigen Hauptstadt Chiles, wollen wir dann nach Osten abbiegen, um u. a. in der Ecke um Mendoza herum nicht nur die argentinische Weinlese, sondern natürlich auch die eine oder andere Verkostung zu erleben. Dafür müssen wir über 3.000 m hoch über die Anden fahren. Das ist aber noch richtig niedrig im Vergleich zu einigen Pässen in den Anden, die locker die 5.000 m überschreiten. Dann soll es zügig durch die Pampa Richtung Uruguay gehen, wo wir bei Silva und Heinz im Paraiso Suiza El Gordo präparieren und uns auf den Rückflug vorbereiten wollen. Aber wie immer der Reihe nach.
Der Höhepunkt der 10 Tage bei Klaus auf der Farm in der Nähe von El Bolson ist in der Tat das kernige Assado. Eines der ca. drei Monate alten und ca. 20 kg schweren Lämmer wird ausgeguckt und am abend separiert. Früh am Morgen geht es los. Einer der Polen war im früheren Leben beruflich als Kontrolleur im Schlachthof tätig und versteht etwas von diesem Geschäft. Ruck zuck haucht das Lamm sein Leben aus, und nach dem Ausbluten wird ihm fachgerecht das Fell über die Ohren gezogen und der Kopf abgetrennt. Den will nämlich keiner haben oder essen. Das Fell wird später gegerbt und dient dann, wie alle anderen Schafffelle auch, in erster Linie der Behaglichkeit des Menschens. Wegen der Fliegen, die sich natürlich auch für solch einen Braten interessieren, wird das Lamm in ein Tuch gewickelt und über Nacht aufgehängt. Am nächsten Tag wird es landestypisch auf ein Eisenkreuz gespießt und gebunden. Schwerstarbeit sei das, meint Charly, der das übernommen hat. Am späten Nachmittag wird das Kreuz schräg vor ein großes Feuer in den Boden gerammt. Auf diese Weise lässt sich das Lamm so richtig langsam und schonend grillen. Sein Abendessen so vorzubereiten, mutet uns Stadtmenschen, die wir ja immer noch sind, und die Fleisch nur aus der Kühltheke kennen, schon etwas archaisch an. Aber das Ergebnis kann sich sehen, bzw. schmecken lassen. Butterzartes Lamm, nahezu ohne Schafgeschmack, kommt auf den Tisch und alle greifen herzhaft zu und sind sich darüber einig, niemals zuvor so leckeres Lammfleisch verputzt zu haben. Pro Nase ungefähr ein Kilo. Die einen mas, die anderen menos.
Ein Höhepunkt anderer Art ist der Ausfall unserer erst knapp zwei Jahre alten Kabinenbatterie. Wir wollen auf dem riesigen Gelände der Farm ohne externen Strom stehen und suchen uns ein lauschiges Plätzchen. Mitten in der Nacht werden wir von Mimmi geweckt. Mimmi ist ein akustisches Signal, dass unser Bordcomputer von sich gibt, wenn etwas nicht stimmt. Der Kühlschrank hat sich abgeschaltet, die Batteriespannung ist unter 12,4 Volt gesunken, was nicht sein sollte und nicht sein darf. Scheiße! Und das auch noch mitten in der Nacht. Das Ganze wird am nächsten Morgen ausführlich diskutiert. Charly und Rosi kennen diese Chose schon, da sie das ebenfalls schon hinter sich bringen mussten. Und nun wird gemessen, geschraubt und getestet. Erste Maßnahme ist die Verlegung eines dickeren Pluskabels zum Kühli, da man beim Einbau des Kompressorkühlis bequemerweise das ziemlich dünne Pluskabel für den Absorberkühli genutzt hat. Eine Verbesserung bleibt allerdings aus. Wir hängen unseren Kühli während der folgenden Nacht an Charlys Reservebatterie, die die Beiden mit sich führen. Mit dem Ergebnis, dass wir am nächsten Morgen bei ordentlicher Kühlleistung lediglich eine geringe Entladung seiner Batterie feststellen. Unser Kühli ist wohl in Ordnung. Der Ausbau der Bordbatterie und des Kühlschranks dauert bei einer Tischerkabine an die zwei Stunden, der Einbau fast doppelt so lange, weil viele Möbelteile ausgebaut werden müssen. Eine richtig schöne Scheißarbeit ist das. Alle Sicherungen sind in Ordnung und durchgescheuerte Kabel finden wir nicht. Ein Kurzer, wo auch immer, ist nicht zu entdecken. Ist ein Kabel etwas gequetscht, beseitigen wir das. Nach dem Wiedereinbau unserer Batterie müssen wir leider feststellen, dass die Entladungsdauer immer zügiger voranschreitet. Tagsüber haben wir mit den Solarpanelen keine Stromprobleme und beim Fahren läd die Lichtmaschine. Aber nachts brauchen wir externe 220 V, um unsere Lebensmittel im Kühli am Leben zu erhalten, denn wir haben einiges eingefroren. So wie es aussieht, hat unsere Batterie wohl den Geist aufgegeben. Sie muss, wie und wo auch immer, einige Tiefentladungen hinter sich haben.
Was tun? Eine solargeeignete AGM-Batterie in Argentininen zu finden, dürfte ein aussichtsloses Unterfangen sein. Und da wir sowieso nach Chile rüber wollen, steuern wir nach einer Zwischenübernachtung in Entre Lagos die Stadt Osorno an. Es ist Hochsaison und der Grenzübergang nach Chile am Passo Cardenal A. Samore, einer der wenigen, die es überhaupt gibt, ist schlicht und einfach auf beiden Seiten brechend voll gestopft mit Autos, Bussen und LKW. Fünf Stunden benötigen wir dafür, was wir sonst in max. 45 Minuten geschafft haben. Zuvor erleben wir eine Landschaft und Natur, die von der im Juni 2011 bis Anfang 2013 nach 50 Jahren Ruhe ausgebrochenen Vulkankette Puyehue-Caulle gezeichnet ist. Die riesigen Aschewolken überschütteten sogar noch Bariloche und kamen nach einer Umrundung der Erde zurück. Überall an den Straßen liegen unermessliche Mengen von Asche. Große Waldgebiete sind vernichtet.
Wegen der langwierigen Grenzüberschreitung müssen wir in Entre Lagos übernachten, wo wir auf dem CP ein deutsches Paar kennenlernen, die mit ihren Fahrrädern unterwegs sind. Ist eigentlich nix besonderes, da doch so einige mit dem Fahrrad, selbst auf der immer noch in vielen Abschnitten geschotterten Careterra Austral, ihr Reiseerlebnis der besonderen Art suchen. Aber diese Beiden sind locker mindestens 70 Jahre alt, eher so um die 75. Hut ab vor so viel Enthusiasmus. Und die wollen sogar noch die Lagunenroute mit dem Rad fahren. Knapp 500 km durch die Botnick, immer über 4.000 m hoch und nachts mit ordentlich Minusgraden. Aber vielleicht haben sie die vielen schon zurückgelegten Kilometer ja auch etwas durcheinandergebracht. Man kann es kaum glauben.
Die Stadt Osorno (ca. 100.000 Einwohner) ist übrigens außerordentlich bekannt dafür, dass man hier nahezu jedes Ersatzteil, neu oder gebraucht, für Fahrzeuge aller Art bekommen kann. Der Stadtteil mit den vielen Autotiendas ist kaum zu übersehen, aber auch extrem undurchschaubar. Wir fragen und fragen uns immer wieder durch, leider erfolglos. Internet haben wir nicht, also können wir auch dort nicht recherchieren. Auch der Automobilclub von Chile muss passen. Sie telefonieren zwar viel herum, leider aber auch erfolglos. In Osorno, gibts eine solche Batterie, wie wir sie brauchen, einfach nicht. Man vertröstet uns mit dem Hinweis, dass wir eventuell in Puerto Montt Erfolg haben könnten. Ansonsten wohl nur in Santiago. Das sind ja tolle Perspektiven! Frei stehen geht erst einmal gar nicht mehr. Wir brauchen nachts Strom, müssen also auf Campingplätze, die wegen der Hauptsaison auch so richtig saftig hinlangen, was die Preise angeht. Nur beim Reinigen der Sanitärs langt man nicht so saftig hin und hält sich lieber zurück.
Auf dem Weg nach Puerto Montt wollen wir erst einmal Station in Erdbeerhausen machen, so heißt nämlich etwas frei übersetzt der Badeort Frutillar (Erbeere), am riesigen Lago Llanquihue gelegen. Hier leben viele Menschen, deren Vorfahren mal aus Deutschland kamen. Man erkennt das an den vielen Schildern mit deutschen Beschriftungen und an den nicht wenigen Gartenzwergen, die man zu Gesicht kriegt. Das winzige Frutillar hat sich übrigens ein modernes Konzertgebäude für ca. 1.200 Besucher direkt an den Strand gesetzt. Der Veranstaltungskalender ist voll mit Konzert- und Festivalterminen. Ansonsten brummt es hier so richtig. So sehr, dass wir uns lieber etwas auswärts auf einen CP direkt am See verziehen, wo es uns aber auch nicht wirklich gefällt. Die Banos sind schlicht und einfach eine Katastrophe. Allerdings haben wir einen fantastischen Blick, genau wie in Frutillar, auf den Bilderbuchvulkan Osorno, gleichlautend wie die Stadt. Dem wollen wir später noch näher auf die Pelle rücken, zuvor aber haben wir ja noch eine Aufgabe zu lösen, nämlich eine Batterie in Puerto Montt aufzutreiben. Und da wir schon mal dort sind, wollen wir noch weiter nach Süden auf die nach Feuerland zweitgrößte Insel Südamerikas namens Chiloe übersetzen. Kurz geschrieben, wir ergattern eine AGM in Puerto Montt, zwar etwas kleiner als die alte, aber mit 100 Ah wohl noch ausreichend. Eine Alternative haben wir eh nicht. In Puerto Montt, ca. 200.000 Einwohner groß, finden wir direkt am Fjord ein kleines Hotel, das neben Cabanas auch vier Stellplätze für Camping anbietet. Mit einem wunderschönen Ausblick auf das Meer, die Küste und den Osorno, der auch hier immer noch sehr ausdrucksstark den Horizont beherrscht. Ansonsten gefällt uns Puerto Montt nur mäßig, auch die bekannte Markt- und Fressmeile Angelmo in der Nähe des Hafens beeindruckt uns nicht wirklich.
Chiloe wird häufig mit Irland verglichen. Es soll hier sehr viel regnen und deshalb auch eine entsprechend grüne Natur geben. Nix da. Wir haben weitgehend schönes Sommerwetter, in sechs Tagen nur einen Regenschauer und genießen die seit langem mal wieder möglichen ausgiebigen Strandspaziergänge. Wir sind schließlich auf der Pazifikseite Südamerikas. Auch Ancud, mit knapp 30.000 Einwohnern der zweitgrößte Ort Chiloes ganz im Norden, ist mal wieder eine Stadt, deren Bild durch die übliche Ansammlung von mehr oder weniger hässlichen Zweckbauten bestimmt wird. Aber wir finden den von Gabi und Willi empfohlenen, genial gelegenen, stadtnahen Campingplatz oben auf der Klippe mit fantastischer Aussicht auf das offenen Meer. Und obendrein ist er wenig besucht. Hier gefällt es uns, und wir bleiben so lange, bis auch hier mal wieder die Stromversorgung auf dem Platz zusammenbricht. Nach einer Zwischenübernachtung in Castro, der Hauptstadt Chiloes mit ebenfalls ca. 30.000 Einwohnern, fahren wir nach Cucao im Westen Chiloes. Dort wollen wir ans Meer, finden aber keinen für uns geeigneten Campingplatz, dafür aber Unmengen von Backpackern. Was die hier alle wollen, erschließt sich uns nicht. Zwar kann man von hier gut in den Parque National Chiloe kommen, aber wir haben schon deutlich interessantere Nationalparks gesehen. Ein Sturm pfeifft obendrein über den langen Strand und die Versorgungsmöglichkeiten sehen extrem bescheiden aus. Also beschließen wir, den besagten Steilküsten-CP in Ancud aufzusuchen und anschließend mit der Fähre wieder auf das Festland überzusetzen, um uns nochmals dem Vulkan Osorno zu widmen. Wir verleben  am Seeufer in Ensenada ein paar warme Sommertage, fahren zum Refugio des Vulkans hinauf und genießen von dort die fantastische Ausicht. Eigentlich wollen wir noch nach Petrohue an dem nicht weit entfernten Lago todos los Santos und nach Cascadas. Aber die Stellplatzmöglichkeiten sind in beiden Fällen äußerst bescheiden. Dafür treffen wir auf dem Weg dahin Ernesto wieder, den wir das letzte Mal in Ushuaia getroffen haben und der über Weihnachten mit seiner jetzt reisemüden Frau Susanne zuhause in der Schweiz war und kurz vor dem Abschluss der dreijährigen Reise steht. Eine Freundin der Familie hat die Gelegenheit genutzt, Südamerika kennenzulernen und begleitet ihn.
Die ca. 200 km Richtung Norden nach Los Lagos sind fix abgespult. Unser Ziel ist der Camping Los Suizos, nahe Los Lagos, der von Hans, einem Schweizer, der seit über zwanzig Jahren in Chile lebt, und seiner chilenischen Frau betrieben. Er liegt am hohen Steilufer eines Flusstales und hat sogar einen großen gepflegten Pool. Das Wetter ist immer noch sommerlich und wir genießen hier ein paar Tage die schöne und ruhige Natur, bevor wir wieder an die Küste fahren wollen.  Davon dann mehr im Märzbericht.
Und nicht zu vergessen, ich habe hier endlich den inneren Schweinehund überwunden und die neue Batterie eingebaut. Das war einfach überfällig und ging schon deutlich fixer von der Hand.
                 

    
                 


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