Reisebericht Dezember 2015


1 Nacht freistehend in Copacabana am Titicacasee in Peru --> Puno / Camping im Hostal Casa Blanca / 2 Nächte --> Combapata /freistehend an der Plaza / 1 Nacht --> Cusco / Camping Quinta Lala / 5 Nächte --> Ollantaytambo / Camping Tunipa Lodge / 2 Nächte / Machu Picchu -->  Yaca bei Abancay / Camping  / 1 Nacht --> Nazca / Camping am Hotel Fundo San Rafael / 3 Nächte --> Oase von Huacachina / Parkplatz / 1 Nacht --> Lima / Camping im Hitchhikers Backpackers Hostel in Mira Flores / 3 Nächte --> Albufera Medio Mundo / Camping / 1 Nacht --> Huanchaco / Hotel Las Palmeras / 2 Nächte im Zimmer --> Lambayeque / Ecohotel Mamita Helmita / 3 --> bei Zorritos Camping Swiss Wassi / 6 Nächte


insgesamt ca. 3.200 km


Der Dezember hat es mal wieder in sich. Denn in Peru warten so einige Highlights unserer Reise auf uns. Peru, das Land der Kontraste, muss sich gegenüber Bolivien, dessen atemberaubende Landschaften noch nicht ganz verdaut sind, erst einmal durchsetzen. Kontraste deshalb, weil es einerseits neben den vielfältigen Landschaftsformen so viele außerordentliche historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, andererseits aber auch an vielen Stellen leider schrecklich zugemüllt ist. Man gewinnt den Eindruck, dass in dieser Hinsicht der Point of no Return schon längst überschritten ist. Dieses Land vom Müll zu befreien, scheint eine unlösbare Herkulesaufgabe zu sein. Daneben fällt uns noch das agressive und undisziplinierte Verhalten der Peruaner im Straßenverkehr ins Auge. Doch insgesamt gefällt uns Peru schon sehr, zumal wir zum Ende des Jahres nach so vielen tollen Eindrücken doch noch unter Palmen am Meer stehen und das warme Wetter und den Strand genießen können. Aber es geht ja wie immer der Reihe nach ..


Am Titicacasee kurz hinter Copacabana verlassen wir Bolivien und queren die Grenze nach Peru. Die Einreiseformalitäten ziehen sich ein wenig dahin, angesagt ist Beamtenmikado (wer sich zuerst bewegt hat verloren), sind weiter aber nicht sonderlich aufregend. Nachdem wir unsere Stempel und Zettel zusammen haben, kann es losgehen in Richtung Puno, wo wir das zum nächtlichen Stehen empfohlene Hotel fluchtartig verlassen, nachdem man nur für das Stehen auf dem Parkplatz satte 30 !! US$ kassieren will. Das Hostal Casa Blanco etwas südlich von Puno ist da schon sehr viel besser und auch deutlich preiswerter. Die (eher hässliche) Universitätsstadt Puno interessiert uns auch nicht wirklich, sondern vielmehr die dort vorgelagerten künstlichen Schilfinseln der Uro-Indigenas, die man besuchen kann. Zwar leben die Uros heute kaum noch auf ihren Inseln, halten sie aber dennoch in Schuss und versuchen den Besuchern/Touristen zu vermitteln, wie das Leben auf diesen künstlichen Inseln einst gewesen war. Obwohl touristisch voll durchgestylt, genießen wir die Bootsfahrt dorthin und den Aufenthalt auf dem schwankenden Grund, zumal monatsbedingt nicht viele Touristen vor Ort sind und wir so eine außerordenliche friedvolle und entspannte Atmosphäre vorfinden. Frisch gefangene und ausgenommene Forellen werden uns für relativ kleines Geld serviert, sodass noch der eine oder andere Soles für ein paar Souveniers übrig bleibt. So sind alle zufrieden, und wir können uns nach einem abendlichen kräftigen Gewitter auf den Weg nach Cusco machen. Zwischendurch übernachten wir mitten in Combapata an der Plaza unter den Augen der lokalen Gesetzeshüter.


Wer an Cusco denkt, hat natürlich Machu Picchu im Auge. Ein unbedingtes Muss für nahezu alle Reisenden. Cusco, 3.500 m hoch gelegen, hat natürlich auch jede Menge an Sehenswürdigkeiten zu bieten, lebt aber letztlich, wie die gesamte Region, hauptsächlich von Machu Picchu. Ich erspare es uns, hier alle Sehenswürdigkeiten Cuscos aufzulisten. Siehe Wikipedia. Neben uns tummeln sich natürlich noch viele andere Touristen in Cusco, aber insgesamt sind es saisonbedingt nicht die Massen, die man sonst dort vorfindet. Die Plazabegehung gleicht aber immer noch einem Spießrutenlauf, so viele Verkäufer und Dienstleister wollen einem etwas andrehen. Trotzdem sind wir guter Hoffnung, dass wir MP doch etwas entspannter genießen können, als das gewöhnlich der Fall ist. Das Wetter passt, es ist perfekt für einen solchen Ausflug, und wir entschließen uns, zusammen mit Rosi und Charly nach Ollantaytambo zu fahren, um von dort aus MP in Angriff zu nehmen. Zuvor gibt es aber noch etwas anderes zu feiern, nämlich kurz nachdem wir auf dem Camping in Cusco einrollen, kommt ein Abschleppwagen auf den Platz. Und wen hat er huckepack hinten drauf? Es ist Hartmuts und Marions Toyota Hilux, mit dem die Beiden 2013 in Nordamerika gestartet waren. Wir kennen Hartmut und Marion aus dem Pickup-Wohnkabinen-Forum und haben sie schon 2012 am Froschloch in Laubach beim großen Treffen der Pickup-WohnkabinenfahrerInnen kennengelernt. Ihrem Hilux sind leider die Dieseleinspritzdüsen verkokelt und müssen ausgetauscht werden. Eine riesige logistische Herausforderung, da momentan keinerlei Post aus Deutschland in Peru ankommt. Hartmut löst das Problem, indem er sie höchstpersönlich aus Deutschland abholt. Hut ab vor dieser ebenso kurzentschlossenen wie strammen Leistung. Aber wir finden trotzdem genug Zeit zum Ratschen. Ein tolles Treffen. Inzwischen sind wir allerdings schon wieder ein paar tausend km auseinander, da die Beiden ja nach Süden fahren und wir nordwärts. Die Besichtigung Macu Picchus ist wahrlich ein Hammer. Es ist wirklich nicht so viel los und so können wir den ganzen Tag genießen. Start in Ollantaytambo morgens gegen 7 Uhr. Rein in dem Panoramazug (Hinfahrt ca. 70 US$ pro Nase) und dann die sehr schöne 90-minütige Bahnfahrt durch die ca. 40 km lange Schlucht genießen. Es gibt sogar einen kleinen Imbiss im Zug. In Agua Calientes angekommen, müssen wir erst einmal das Eintrittsticket für MP erstehen (45 US$ pro Nase). Dann das Busticket für die Fahrt hinauf nach MP kaufen (24 US$ pro Nase hin und rück). Alternativ kann man auch die fast 2.000 Treppenstufen hinauf- und hinunter laufen. Wenn die Kondition für dann noch mal ein paar Stunden MP reicht, kann man das so machen. Das ist bei uns aber nicht der Fall. Also kommt für uns, wie für fast alle, nur den Bus in Frage. Wer Näheres zu Machu Picchu wissen möchte, bitte Wikipedia anklicken. Ich möchte an dieser Stelle nicht den Reiseführer abschreiben. Nur soviel dazu. Es ist gewaltig, was die Inkas dort in der Höhe gebaut haben. Selten haben wir so etwas beeindruckendes gesehen. Auch wenn es wirklich teuer ist, dort hin zu kommen, uns ist es das wert. Einfach super und kaum mit Worten zu beschreiben. Für die Rückfahrt mit dem Zug müssen wir natürlich nochmals an die 80 US$ abdrücken.


Die nunmehr ungefähr vier Wochen in der Höhe zwischen 3.500 m und 4.700 m machen uns allerdings so langsam etwas zu schaffen. Uns steht der Sinn nach "dickerer" Luft und wir wollen danach auch die Küste Perus kennenzulernen. Und dann ist da auch noch Nazca, das mit den geheimnisvollen Linien im Wüstenboden aufwartet. Die inzwischen verstorbene deutsche Mathematikerin und Geographin Maria Reiche hat ihr Lebenswerk diesen Linien gewidmet und erheblich dazu beigetragen, den spinnerten Däniken zu widerlegen, der fest davon überzeugt war, dass die Nazca-Linien von Außerirdischen als Landebahnen für ihre Raumschiffe angelegt wurden. Immerhin hat er Nazca so einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Auch hier hilft interessierten Lesern Wikipedia weiter. Auf jedem Fall ist es so, dass es unmöglich ist, die Linien vom Auto aus zu sehen, wenn man auf der Panamericana fährt, die das Gebiet der Linien durchschneidet. Einzig der von Reiche initiierte Aussichtturm, ermöglicht einen Blick auf el mano (die Hand) und el arbol (der Baum). Wer mehr sehen will, muss in eine der berüchtigten Cessnas klettern und in die Höhe steigen. Gemeinsam mit Charly gönne ich mir dieses etwas zweifelhafte Vergnügen, dass ich zwischendurch auch schon mal etwas bereue. Die beiden Frauen winken gleich ab. Es ist wirklich ziemlich heftig und beindruckend, was Nazcas "Kunstflieger" so draufhaben. Fotos von den Geoglyphen kann man nur machen, wenn man direkt über den Figuren fliegt, und zwar so, dass sich das seitliche Fenster des kleinen Flugzeuges, an dem man sitzt, fast unter einem befindet. So geht der Pilot in die Kurven. Und da auf jeder Seite einer sitzt, der fotografieren will, gehts bei jeder von den ca 15 angeflogenen Figuren zweimal so richtig in die Schräglage. Und das Ganze bei ordentlichem Wind. Nach der halben Stunde Flug sind wir froh, wieder heil unten angekommen zu sein. Etliche andere Passagiere sitzen mit grünen Gesichtern in der Halle, mit der Tüte vor dem Hals. Aber es war grandios, die Geoglyphen in ihrer ganzen Pracht sehen zu können. 


So langsam machen wir uns Gedanken, wo wir das mit großen Schritten heraneilende Weihnachten verbringen wollen. Am liebsten am Strand unter Palmen im Sonnenschein. Aber zuvor wollen wir noch nach Lima, der Zehnmillionenmoloch, die Hauptstadt Perus. Also fahren wir nach Norden, zunächst in die etwas in die Jahre gekommene Wüstenoase Huacachina, die uns aber trotzdem sehr gut gefällt und wo wir unser erstes ausgezeichnetes Ceviche verspeisen, in Limettensaft gegarter roher Fisch und/oder Tintenfisch und Meeresfrüchte, dazu Süßkartoffel, Yuca, Zwiebeln und creolische Soße. Super lecker, dieses erfrischende Essen. Nicht umsonst scheint es auch inzwischen in Deutschland ein kulinarischer Hit geworden zu sein. Und die schöne und entspannte Atmosphäre in der Oase gibts gratis dazu. Wer will, kann hier auch in den riesigen Sandbergen mit Dünenbuggies herumbrettern, bzw. sich brettern lassen oder die Sache mit dem Sandboard angehen.


Vorerst werden sich aber unsere Wege trennen. Rosi und Charly wollen nicht in Lima stationieren, wir dagegen schon. In Miroflores, einem wohlhabenden und sehr aufgeräumten Stadtteil, wohnen wir ideal im Hitchhikers Backpakers Hostal. Auf dem Hof können wir campen, haben alle Annehmlichkeiten, die das Hostal zu bieten hat und lernen obendrein noch einige andere interessante Reisende kennen. Eine ideale Basis, um wenigsten ein paar von den unüberschaubar vielen Ecken Limas kennenzulernen. Ins elegante historische Zentrum gehts mit dem Taxi, in Miraflores auf Kneipentour per Pedes. Im Kaufhaus Wong gibts alles zu kaufen, das Lebensmittelangebot ist mit dem in D vergleichbar. Aber auch die Preise. Wir fühlen uns wie im Schlaraffenland, nachdem wir uns lange Zeit mangels Supermärkten nur in kleinen Tiendas und auf Märkten versorgen mussten. Ist zwar ganz interessant, aber auch etwas mühsam, bevor man dort seine Einkäufe zusammengetragen hat. Ansonsten genießen wir ein riesiges Frontcooking für kleines Geld in der Altstadt und erkunden den ganz nah an Miroflores gelegenen sogenannten Liebespark an der Steilküste des hier immer noch sehr rauen Pazifiks. Alle auch in Europa beliebten Freizeitbeschäftigungen werden hier ebenfalls angeboten. Geitschirmfliegen an der Steilküste und Surfen zum Beispiel und noch vieles mehr. Auch die Wachablösung am Präsidentenpalast ist ein beeindruckendes Schauspiel. Und die Besichtigung der Iglesia y Convento Sto. Domingo, einschließlich der Katakomben, wo haufenweise Totenschädel und Gebeine gestapelt sind oder ordentlich sortiert herumliegen, bleibt uns nachhaltig in Erinnerung. Die Rausfahrt aus Lima nach Norden gestaltet sich allerdings als eine nervenzerrende und ziemlich stressige Angelegenheit. Stundenlang geht es immer auf der Panamericana Norte entlang. Die Slums, die in Lima nach und nach urbanisiert werden, scheinen einfach kein Ende nehmen zu wollen. Obwohl wir Sonntag vormittag unterwegs sind, ist der Verkehr gnadenlos, und wir sind unheimlich froh, dass wir aus diesem Moloch, ohne Schaden genommen zu haben, wieder herauskommen.  

  
An einer sehr hübschen Lagune an der Küste übernachten wir, als sich eine der Besonderheiten Perus bemerkbar macht, über die schon sehr viele Reisende in diesem Land berichtet haben. Durchfall ist nämlich angesagt, den Gabi bereits hinter sich hat, Montezumas Rache also. Insofern stecken wir unser nächstes Ziel etwas kürzer und bleiben über die Weihnachtstage in Lampayeque, etwas nördlich von Chiclayo gelegen. Zuvor In Huanchaco gucken wir aber schon etwas dämlich aus der Wäsche, als man uns dort auf dem in vielen Reiseberichten angepriesenen Campingplatz nicht haben will. Man sei voll, so heißt es. Wir können es nach der Besichtigung kaum glauben, denn es ist noch locker für die gleiche Anzahl (vier) von Fahrzeugen Platz, die dort bereits stehen. Und das nach über 400 km Fahrstrecke mit inzwischen 38,5 ° Fieber in der Birne und ständig auf der Suche nach einem halbwegs brauchbaren WC. Anderen ist es dort aber auch schon so ergangen. So nehmen wir kurzentschlossen ein Hotelzimmer mit einem sicheren Parkplatz für El Gordo. Ist auch besser so. Die nächsten 20 Stunden auf der Matze liegen und sich erholen ist angesagt. Gabi genießt derweil unsere Terrasse mit Meerblick. Und ich das ausgezeichnete Bano nur für mich allein. ;-)


In Lampayeque liegt das hypermoderne ausgezeichnete Museo Tumbas Reales de Sipan. Man hat in der Nähe vollständig erhaltene Königsgräber der Sipan entdeckt und höchst wissenschaftlich freigelegt. Das Museum ist mal wieder ein echter Hammer. So viel Gold und Silber unterliegen natürlich der höchsten Sicherheitsstufe, und man muss alles in einem Schließfach wegsperren, bevor man reindarf. Fotos verboten. Aber das, was man zu sehen bekommt, ist einmalig und extrem wertvoll. Darüber hinaus ist das Museum auf allerneuestem Stand und braucht wirklich keinen Vergleich zu scheuen. Diese Ausgrabungen zählen zu den allerwichtigsten, die es in Peru überhaupt gegeben hat. Ist dieser Museumsbesuch beeindruckend und schön!!


Ganz in der Nähe stehen wir bei Mamita Helmita auf dem Platz, einem Bungalowhotel, und haben dort alles, was wir benötigen, um die Weihnachtstage in Ruhe verbringen zu können. Ein toller Pool steht uns zur Verfügung und das Personal ist ausgesprochen freundlich. Der Sohn der Betreiberin fährt uns sogar in seinem VW-Käfer zum Einkaufen. Was für ein Gefühl, mal wieder in einem Beetle zu sitzen. :-) Mit der Ruhe ist das aber so eine Sache. In Peru wird zu Weihnachten nämlich geböllert was das Zeug hält. Tag und Nacht knallt und rumst es. Und die Böller sind richtig teuer. Wie uns ein deutscher Student, der in Lima lebt, erzählt, leben die Peruaner in der überwiegenden Mehrzahl auf Pump. Er wundert sich, wo die das Geld für die vielen Böller herhaben. Und Sylvester soll sich das Ganze nochmals steigern. 

  
Halbwegs genesen, machen wir uns nach Weihnachten auf den Weg Richtung Grenze nach Ecuador, wo dicht dabei einige nette Locations am Strand mit Palmen u.s.w. liegen. Im Swiss Wassi stehen wir an einer solchen, treffen Charly und Rosi wieder und wollen hier gemeinsam Sylvester feiern, bis wir dann am Neujahrstag die Grenze nach Ecuador überschreiten wollen/müssen. Unsere Versicherung für Peru läuft nämlich ab an diesem Tag. Es passt also. Und dann müssen wir so langsam an die größte logistische Herausforderung unserer Reise herangehen, nämlich die Verschiffung El Gordos nach Zentralamerika in Angriff nehmen. Aber dazu mehr im nächsten Reisebericht. 

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