Reisebericht August 2014

Buenos Aires vom 27.07. bis zum 31.07.2014 (zurückgelegt ca. 100 km, davon die Hälfte zu Fuß)

Uruguay vom 31.07. bis zum 28.08.2014 (zurückgelegt ca. 2.200 km mit Mietwagen, 250 km mit El Gordo)

Übernachtungen: Argentinien, Buenos Aires (4) --> Uruguay, Colonia del Sacramento (3) --> Termas de Guaviyu (1) --> Termas del Arapey (3) --> Tacuarembo (1) --> Treinta y Tres (2) --> Piriapolis (4) --> Paraiso Suiza (3) --> Montevideo (4) --> Paraiso Suiza (5)

 

Was sind wir nicht gewarnt worden. Selbst von der Apothekerin in Ratzeburg, die brandneue Infos von einer ihr bekannten Chilenin parat hatte. Buenos Aires? Bloß nicht vor die Hoteltür! Überall Raub und Überfälle.

Es ist dann aber wie in jeder anderen Großstadt auch. Natürlich sind wir vorsichtig. Nur soviel Geld dabei, wie man gerade braucht und nicht den großen, sondern nur den kleinen Fotoapparat mitgenommen. Und das Leben läuft für uns am Tag. Durchs Dunkle muss man trotzdem. Um 18:00 h geht nämlich die Sonne unter. Argentinien hat ganz frisch die nächste Staatspleite hingelegt, und die Portenos, so heißen die Einwohner der 18,5 Millionenstadt (Großraum), scheint es nicht zu kümmern. Überall Buisiness as usual.

Die Folgen werden wohl erst später wirklich sichtbar sein. Die Leute sind gelassen und freundlich, Agressivität erleben wir nicht. Dafür erste kulinarische Erlebnisse, von sehr gut bis ungenügend. Buenos Aires ist an vielen Stellen schön und beeindruckend, und wir fühlen uns wohl.

Weiter gehts mit Buquebus (Schnellfähre) 60 km über den Rio de la Plata nach Colonia del Sacramento, einem sehr schönen und beliebten Kolonialstädchen. Die Fahrt nach Uruguay dauert etwa eine Stunde, die Grenzabfertigung geht problemlos und zügig über die Bühne. Ausgesprochen freundlich behandeln uns die Grenzbeamten. Colonia ist bekannt für seine hübschen, niedrigen Kolonialgebäude, seine Straßen, die vielen Oldtimer und natürlich für die Lage. Für die Jahreszeit laufen relativ viele Touristen umher, darunter auffallend viele junge Leute. Die Preise sind allerdings auch ganz schön saftig. Da die Ankunft der Grande Gabon wieder mal noch länger auf sich warten lässt, beschließen wir, uns einen kleinen Mietwagen zu nehmen und damit schon mal eine Runde durch Uruguay zu unternehmen. Ein Höhepunkt sind die Termas del Arapey, wo wir auf deutlich niedrigerem Preisniveau, das direkt aus der Erde kommende knapp 40° heiße Wasser genießen können. Wir haben den großen Pool fast für uns allein. Ist das schön und angenehm. Eigentlich sind wir keine Wellnesstypen. Hier aber kann man dazu werden. Es gibt noch zahlreiche andere Pools auf dem riesigen Gelände, draußen und drinnen. Übrigens genießen wir bisher weitgehend sommerliches  Wetter.

Die Landschaft Uruguays ähnelt einem Ozean aus Land. Die verstreuten Estancias wachen über die riesigen Rinderherden. Deshalb ist Uruguay übrigens nahezu komplett eingezäunt. Auf der Straße ist man weitgehend allein unterwegs, so dünn ist der Verkehr. Über die zwei uruguaytypischen Provinzstädtchen Tacuarembo und Treinta y Tres (warum diese Stadt Dreiunddreißig heißt, haben wir nicht rausgefunden), wo wir in der Nähe in der Quebrada de los Cuervos (Schlucht der Rabengeier) wandern gehen, kommen wir nach Piriapolis ans "Meer". Sieht aber nur wie Meer aus, ist nämlich immer noch der Rio de la Plata. Hier bleiben wir ein paar Tage, laufen viel an den endlosen Stränden und erkunden die schöne Gegend. Es windet kräftig, und wir finden zwei tote Seewölfe und auch eine ca. 50 cm große, gestrandete, wunderschöne Meeresschildkröte, die leider kurz nachdem wir sie entdecken, sich ins Schildkrötennirwana verabschiedet. Das macht uns richtig traurig.

Da das Paraiso Suiza, die beiden Schweizer Silvia und Heinz (wird hier Enrique genannt) leben hier seit vielen Jahren und haben das Ganze aufgebaut, nicht weit entfernt ist, schauen wir dort mal vorbei und fragen, ob wir hier ein paar Nächte verbringen können (sie vermieten nämlich auch Ferienwohnungen). Obwohl wegen des Winters eigentlich nicht geöffent, dürfen wir und erleben zwei supernette und ausgesprochen hilfsbereite Schweizer, die uns u. a. mit vielen Informationen, was die Ausschiffung El Gordos angeht, weiterhelfen. Wehe, hier schickt einer die Kavallerie hin!! Über die Ausschiffung in Montevideo wollen wir hier nicht so viel schreiben, da eigentlich schon alles im Reiseblog erzählt ist. Auch Montevideo finden wir ganz ansprechend. Uns gefällt es hier und wir laufen uns mal wieder die Hacken ab. Wir wohnen im Plaza Fuerte mit seinem beeindruckenden altmodischen Aufzug, am Rand der Altstadt und nicht weit zum Hafen. Dort hat Eduardo, unser Zollagent, sein Büro. Die Chemie zwischen uns stimmt sofort. Er ist einfach muy simpatico und unglaublich hilfsbereit. Nur dank seiner Hilfe können wir noch heute an El Gordo heran kommen. Heute haben wir nämlich erfahren, dass El Gordo aufgebrochen wurde. Das erspart uns wenigstens das Kopfkino für eine Nacht, von dem wir schon in den sechs Stunden der Ungewissheit reichlich bedient sind. Die Ausschiffung klappt dank Eduardos problemlos, nur die neue Software macht den drei sehr feundlichen Zollbeamten etwas zu schaffen. Nach fast einer Stunde ist es geschafft und wir halten El Gordos temporäre Zulassung für Uruguay in den Händen. Händisch ging das früher in wenigen Minuten, sagt Eduardo. ;-) El Gordo darf nun 12 Monate im Land bleiben, was wir aber gar nicht wollen. Wir fahren zu Silvia und Heinz, verbringen dort die Woche mit Reparaturen, beladen El Gordo neu (alles passt rein), ersetzen das Geklaute und besuchen vor allem am Sonntag Eduardo und seine Frau (ebenfalls Sylvia, Dozentin für Zahnmedizin an der hiesigen Uniklinik, ich komme nicht davon los ;-) ), die uns in ihr nicht weit entferntes Wochenendhäuschen eingeladen haben. Wir erleben uruguayische Gastfreundschaft at its best und plaudern stundenlang in feinstem "Spanglisch" bei Käse; Schinken, Bier und Wein. Und erfreulicherweise können wir feststellen, dass sich unsere Spanischfähigkeiten so langsam mehr und mehr wiederbeleben. Wir freuen uns ausgesprochen über diese tolle Begegnung.

Das Wetter schlägt um, aus dem lieblichen eher Sommerwetter, wird ratzfatz ein riesiger Wirbelsturm. El Gordo und wir beide müssen nun zeigen, dass wir damit auch klarkommen. Alle drei haben nach 35 etwas bangen Stunden die Herausforderung bewältigt, heute scheint wieder die Sonne und man sitzt draußen und schreibt den ersten Reisebericht. Voila, hier ist er.

   

   

 

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