Reisebericht April 2015
Miramar, CP El Rancho, 5 Nächte im April --> Villa Gesell, CP Casablanca, 5 Nächte --> Buenos Aires, Parkplatz bei BuqueBus, 1 Nacht --> Colonia del Sacramento, CP Nogales, 2 Nächte --> Termas Dayman, CP La Posta Del Dayman, 3 Nächte --> Termas del Arapay, CP, 3 Nächte --> Durazno, CP Parque 33 Orientales, 1 Nacht --> Paraizo Suizo, 10 Nächte im April
insgesamt ca. 1.700 km


Das Paraizo Suizo, zwischen Piriapolis und Atlantida gelegen, ist schon der denkbar beste Ort, um die Zeit bis zum Abflug am 9. Mai nach Frankfurt zu verbringen. Silvia und Heinz bieten ihren Gästen wirklich alles, was sie benötigen. Einen guten Stellplatz nur zwei Minuten vom Strand entfernt, leckeres Essen im kleinen Restaurant, ein modernes Sanitärgebäude, leckeres knuspriges Brot am Morgen, Rat und Tat zum Thema Werkstätten, Handwerker, u.s.w. , zwei große Supermärkte nicht allzuweit entfernt, Busshuttle-Service, super WiFi, Waschmaschine und vieles mehr; also eine Menge von dem, was wir auf unserer Reise häufig nicht vorgefunden haben, zumindestens nicht an einem Ort. Herzlichen Dank dafür, Silvia und Heinz. Und damit sind wir eigentlich schon bei einem kleinen Fazit zu den ersten neun Monaten unserer Reise.
Erstens kommt es zweitens anders, drittens als du viertens denkst, heißt es ja so schön, wenn man sich solch ein dickes Ding vornimmt. Dass es so nicht gekommen ist, können wir nun bestätigen. Viele unserer Vorstellungen sind in etwa auch so eingetroffen, aber selbstverständlich war beileibe nicht alles so, wie wir gedacht hatten. Bereut haben wir unseren Beschluss, diese Reise zu unternehmen, niemals. Und auch Heimwehattacken haben uns so gut wie gar nicht heimgesucht. Natürlich war ein Unfall solchen Ausmaßes, wie  wir ihn schon so früh erleben mussten, nicht nur in unseren Vorstellungen der worst case, sondern auch in der Realität. Kurz davor aufzugeben, ermunterte uns aber der grandiose Zuspruch so vieler Menschen und die fantastische Arbeit von Mario und seinen Jungs, durchzuhalten und die Reise fortzusetzen, die dann auch in ganz "normalen" Bahnen verlief.
Wie lebt es sich denn so, auf Dauer zu zweit auf fünf Quadratmeter, werden sich sicherlich einige fragen. Es funktioniert, zumindestens bei uns, auch wenn schon mal "die Zähne gefletscht" werden. Die Gegebenheiten, fast jeden Tag einen neuen riesigen Garten vor der Tür zu haben, der insgesamt sehr wenige Regen und überwiegend angenehme Temperaturen tragen sehr wesentlich dazu bei.
Die Sympathiebekundungen für die Menschen in den bereisten Ländern unterscheiden sich bei den Reisenden doch deutlich. Viele haben Favoriten. Für uns unterscheiden sich die Menschen in Uruguay, Brasilien, Argentinien und Chile zwar von einander, aber nicht so gravierend, dass uns die einen lieber als die anderen wären. Dem Charme der BrasilianerInnen können die ChilenInnen Disziplin entgegensetzen, der Aufgeschlossenheit der ArgentinierInnen, was andere Menschen angeht, steht die Zielstrebigkeit der UruguayerInnen gegenüber. Allen gemein ist, dass sie uns sehr freundlich aufgenommen und behandelt und sich immer sehr hilfsbereit gezeigt haben. Es gab da wirklich nur ganz extrem seltene Ausnahmen. Sicherlich sind zumindestens Grundkenntnisse der spanischen Sprache nicht so ganz unwichtig, wenn man in Südamerika nicht "taubstumm" reisen will. Unsere Vorbereitungskurse waren da sehr hilfreich und inzwischen ist auch schon mal ein kleiner Smalltalk drin. Probleme, uns zu verständigen, hatten wir eigentlich so gut wie nie. Und sicher haben wir uns auch immer gefühlt.


Auf die Schönheit, aber auch Wildheit der Natur in den von uns bereisten Ländern will ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen; da beschreiben unsere Bilder bestimmt mehr als tausend Worte. Als wenig einladend haben wir die nahezu hundertprozentige Einzäunung der Landschaft empfunden. Bis auf die Nationalparks und Reservas ist alles in Privatbesitz, und jeder, der ein paar Quadratmeter oder auch viele Quadratklilometer sein eigen nennt, macht einen Stacheldrahtzaun drum herum. Betreten ist tabu. Der öffentliche Raum ist deshalb ziemlich knapp bemessen und in ihm entsprechend stark das Gedränge der Menschen, die damit allerdings gut zurecht zu kommen scheinen. Am Wochenende wird im ganz großen Stil gegrillt. Überall lodern die Feuer in den Fogons der vielen öffentlichen Parks. Selbst das kleinste Dorf verfügt über eine moderne Gym-Anlage, die auch fleißig genutzt wird. Die Wildnis in den Nationalparks ist an vielen Stellen zwar sehr unzugänglich, bietet aber trotzdem viele, häufig auch sehr anspruchsvolle Wander- und Trekkingmöglichkeiten. In diesem Teil Südamerikas kann jeder auf seine Kosten kommen. Das Angebot ist riesig. Zum Wetter muss natürlich auch noch etwas gesagt werden. Wir haben es häufig so empfunden, dass es sich jeden Tag von einer anderen Seite zeigt. Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel. Eine Konstante gibt es aber und zwar die des Windes. Von extrem stürmisch in Patagonien und Feuerland bis kräftig in den anderen Gegenden, die wir besucht haben. Der Wind ist uns ein treuer Begleiter. Andere Reisende erleben das aber durchaus anders.  
Ein Wort noch zu den Preisen in den vier Ländern. Die sind in aller Regel saftig. Und zwar richtig saftig. In Argentinien kann das noch, sofern man darüber verfügt, durch den Blue-Dollar halbwegs ausgeglichen werden. Aber auch in den drei anderen Ländern wird man kräftig zur Kasse gebeten. Campingplatz-Preise in Höhe von 30 Euro pro Nacht bei wenig Gegenleistung sind nicht unbedingt die Ausnahme. An der Kasse im Supermarkt will der Kassenbon stets gründlich geprüft werden, so hoch sind die Summen, die dort ausgewiesen sind. Da fallen einem schon mal die Augen aus dem Kopf, wenn man die Kreditkarte zückt und in den Einkaufswagen schaut. Und ein Burger bei MacDumpf kostet in Argentinien locker schon mal acht Euro und ein Glas mit Gurken, eine Rarität, neun. So etwas wird natürlich nicht gekauft. Also ist es immer eine spannende Sache, den Speiseplan zusammenzustellen. Fleisch ist das Gemüse! So lautet hier das Motto. Was diese Südamerikaner an Carne verdrücken, spottet wirklich jeder Beschreibung. Es ist für unsere Verhältnisse sehr günstig zu kaufen. Wer das aber nicht mag, so wie wir, muss schon einiges an Fantasie aufbringen, um sich abwechslungsreich und schmackhaft zu ernähren. Weintrinker leben im Schlaraffenland, denn riesig, gut und preiswert ist das Angebot, das gilt allerdings nicht für Brasilien. Bier ist mas o menos so teuer wir bei uns zu Hause. Die Preise für Diesel schwanken zwischen 1,70 €/Liter in Uruguay und 0,85 € in Chile. Strenges Haushalten ist also angesagt, wenn man über die Runden kommen will. Wir hoffen, dass wir die Mehrkosten in den noch vor uns liegenden Ländern in Südamerika und Mittelamerika und Mexico halbwegs wieder ausgleichen können.
Was übrigens den Musikgeschmack der Menschen in den vier Ländern angeht, sind sie sich wohl ziemlich einig. Supermarktsound ist angesagt, wo immer Musik läuft. Selten gibts davon Ausnahmen. Und das kann die Nerven ziemlich strapazieren. Der Discosound läuft auch schon mal lautstark die halbe Nacht hindurch. Schlimm ist es häufig in den großen Supermärkten selbst, wo es häufig volle Pulle aus kreischenden Lautsprechern tönt. Das nervt wirklich heftig, wenn man am Suchen ist. Aber es gibt auch Lichtblicke, wie uns neben vielen anderen Konzertplakaten das von Manu Chao in Mendoza gezeigt hat. 
Aber, es soll ja wie immer der Reihe nach gehen. Im April hängen wir auf dem El Rancho-Camping in Mirarmar noch fünf Tage dran, bei insgesamt doch etwas wechselhaftem Wetter. Also gehts ca. 150 km weiter Richtung Buenos Aires nach Villa Gesell, ein auf uns etwas merkwürdig wirkendes Städtchen mit allerdings sehr schönem Strand. Nur in der Hauptstraße ist noch Leben. Die Ferienunterkünfte sind nahezu allesamt geschlossen und wären mal wieder bestens als Kulissen für Endzeitfilme zu gebrauchen. Es ist Herbst. Bei strahlend blauen Himmel wird ein vorerst letztes Bad im Atlantik genossen, bevor es weiter nach Buenos Aires geht. Wir wollen nach Uruguay, und dafür stehen zwei Alternativen zur Verfügung. Entweder über die Ruta 14 in Argentinien oder mit der Buquebusfähre über die hier ca. 60 km breite Flussmündung des Rio de la Plata von BA nach Colonia del Sacramento. Ersteres kommt für uns wegen der auf der R 14 agierenden berüchtigten und korrupten Rennleitung nicht in Frage. Also übernachten wir sicher auf dem bewachten Parkplatz vor dem Buquebus-Terminal mitten in Buenos Aires für immerhin umgerechnet 22 €. Wir kaufen Fährtickets für uns und El Gordo, für den sich auf der Katamaran-Fähre noch ein Plätzchen von 8 m Länge und 3,2 m Höhe findet. Es wird unendlich lange diskutiert und gemessen, bis El Gordo auf das Schiff darf. Er ist nämlich 3,05 m hoch. Das Parkdeck im allgemeinen nur 2,50 m. Aber es klappt und ruckzuck erreichen wir am nächsten Tag Colonia del Sacramento, dessen Gassen und Gebäude im Kolonialstil uns abermals wie im vergangenen Jahr gefangen nehmen. Nur ist es dieses Mal viel grüner und noch attraktiver. Wir gönnen uns einen zweiten Tag in diesem bezaubernden Kolonialstädchen, bevor wir uns auf den Weg zu den ca. 400 km entfernten Thermen von Dayman machen. Hier bleiben wir drei Tage, treffen Reto, einem seit einem Jahr auf unbestimmte Zeit allein reisenden Schweizer und haben somit prima Abendunterhaltung. Wegen der hohen Außentemperaturen von bis zu 30° verzichten wir das heiße Badevergnügen in Dayman, wollen das aber in Arapay nachholen. Hier kommen wir am Wochenende an und staunen über die vielen Leute auf dem riesigen Campingplatz, der zu der Anlage gehört. Die Fogons qualmen schon mittags, und mal wieder werden riesige Fleischmengen gegrillt und vertilgt.
Wir interessieren uns aber mehr für die hier im Gelände verstreuten großen Badebecken mit unterschiedlich heißen Temperaturen. Ist das eine Wohltat für die Knochen, darin abzuhängen. Abseits finden wir für uns ein rauchfreies und ruhiges Plätzchen, in dessen Nähe sich schon ein Paar aus Frankreich mit einem riesgen MAN niedergelassen hat. Die Beiden suchen einen Unterstellplatz für ihr Auto, wenn sie Anfang Mai bis Mitte September zu Hause in Frankreich sind. Sie sprechen beide Englisch und sind ausgesprochen sympathische Leute. Wir geben ihnen das Paraiso Suizo als Adresse und Heinz erklärt sich nach R per Mail dazu bereit, ihr Auto aufzunehmen. Glückliche Gesichter sind die Belohnung.
Also treffen wir die Beiden wieder, als sie im Paraiso Suiso einrollen, verleben hier ganz internationale (Schweiz, Frankreich, Deutschland, USA, Australien) und ruhige Tage und warten auf unseren Rückflug nach D am 9. Mai. Mit Patrice und Rachel, dem französischen Paar haben wir verabredet, dass wir in Kontakt bleiben und möglicherweise auf der nächsten Etappe unserer Panamerikanareise ein Stück des Weges gemeinsam in Angriff nehmen wollen.
Der Reisebericht für den Mai wird naturgemäß recht kurz ausfallen. Bis dahin.

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