Ein Freitag der 13. ..

.. ist für uns eigentlich ein ganz normaler Tag, wie jeder andere auch. Tja eigentlich .. Vorgestern war das dann aber doch deutlich anders. Ca. 40 km von Comitan entfernt an den wunderschönen Wasserfällen von Chifflon haben wir ein schönes Zimmer für 20 € die Nacht am rauschenden Fluss ergattert und wollen am Morgen die Wanderung zu den Fällen starten, der höchste ist übrigens 120 m hoch, als Gabi bemerkt, dass der Kühlschrank im El Gordo eine Störungsmeldung angibt und sich über Nacht abgeschaltet hat. Ursache unklar, Batterieanzeige meldet, dass die Bordbatterie ok ist. Der Kühli laüft aber wieder, als wir El Gordo an Strom anschließen oder den Motor anlassen. Wir fahren in die 40 km entfernt liegende Stadt Comitan, wo wir eine Versicherung für Mexico kaufen wollen, die es an der Grenze nicht zu kaufen gibt. Ein großer Ford-Händler liegt an der Ausfallstraße der Stadt. Die müssten doch wissen, wo man ein Versicherungsbüro in Comitan finden kann, denken wir uns. Caesar, so heißt el jefe (der Chef), bietet uns sehr nett gleich an, sich darum zu kümmern. 

Nur gibts gerade keine Internetverbindung, also auch kein Möglichkeit Mails zu senden. Er kopiert alles, was die Seguro für den Abschluss einer KFZ-Versicherung benötigt und sagt, dass wir uns nachmittags um 16:00 h wieder in seinem Büro treffen sollen. Alles klar und wir fahren 500 m weiter auf den Parkplatz der großen Mall mit einem riesigen WalMart-Supermarkt. Auch eine Futterzone mit vielen Anbietern ist in der Mall angesiedelt. Für ganz kleines Geld schaufelt man beim Chinesen jede Menge leckere Sachen auf unsere Teller. Voll gestopft drehen wir eine Runde durch die Mall, wir haben ja noch jede Menge Zeit, erledigen unseren Einkauf bei WalMart und bestellen in einem kleinen Cafe zwei Capucchini, als plötzlich einige Leute anfangen loszulaufen und die Geschäfte ihre blickdichten eisernen Rollläden runterlassen und auch das Cafe, in dem wir sitzen, verriegelt wird. 

Der Besitzer ist wohl so aufgeregt, dass wir ihn nicht verstehen, als er versucht zu erklären, was gerade abläuft.

Also trinken wir unseren Kaffee und bitten anschließend, herausgelassen zu werden. Das macht er auch gleich. Inzwischen wird auch der WalMart innerhalb der Mall verriegelt. Auf dem Parkplatz angekommen, sehen wir, dass nur noch wenige Autos dort geparkt sind und unser "Gringoauto" ist natürlich dabei. Auf der Straße haben sich Menschen zusammengerottet. Und wir haben immer noch keine Ahnung, was eigentlich los ist. Wir gehen zur Straße und sehen, dass sämtlich Ein- und Ausfahrten der Mall blockiert sind, so wie die gesamte vierspurige Straße im Bereich der Mall auch. Einige Indigenas sind unter großem Gejohle gerade dabei, eine sehr große Straßenlaterne umzureißen und zerren diese dann quer über die Straße. Ab und an fliegen auch schon mal Steine durch die Gegend, wenn Leute versuchen, mit ihren Autos auf der Straße zu entkommen. So langsam empfinden wir diese Situation als ziemlich brenzlig, haben aber keine Ahnung, was wir machen können, als wir feststellen, dass auch der einzige Weg über eine hohe Bordsteinkante und über den Fußweg auf der Rückseite der Mall nach hinten raus mit übereinander gestapelten Einkaufswagen blockiert ist. Wir sitzen in der Falle! Verständlicherweise will Gabi nicht zu Fuß zum nur 500 m entfernten Ford-Händler, weil sie durch die Hälfte der Blockade laufen müsste und die Stimmung ziemlich aufgeheizt ist. Und ich will unser Auto nicht im Stich lassen. Noch haben wir Zutritt zur Mall. Noch lässt man ein Türchen offen. Ich frage die Security danach, ob die Situation gefährlich ist. Das wird ganz klar bejaht. Ich frage einen eher harmlos aussehenden Blockierer, wie lange das Ganze denn noch andauern soll. Ein paar Stunden noch, die Antwort. Shit happens! Wir ziehen uns zurück, als man uns als Gringos bezeichnet. Ein paar mutige Mall-Mitarbeiter haben inzwischen für ein Handwerkerauto die hintere Blockade ein wenig beseite geräumt, so dass diese abhauen können. Unsere Chance. Wir schließen uns an und El Gordos Kupplung muss sich mal wieder heftig quälen, als es den Bordstein hinaufgeht. Hinter uns wird die Blockade umgehend wieder geschlossen. Wir sind wieder frei und schrubbeln uns über übelste Dreckwege durch ziemlich tiefes Dreckwasser zur nächsten Teerstraße und fahren nach einem großen Umweg um 16:15 h beim Fordhändler auf den Hof. 

Caesar ist inzwischen zum Essen nach Hause gefahren. Seine Sekretärin sagt uns aber, dass er um 16:30 h eigentlich wieder zurück sein müsste. Er lässt sich Zeit, und wir beschließen um 16:45 h zum Quartier zurückzufahren, als Gabi einfällt, dass wir unseren Zimmerschlüssel an der Rezeption abgegeben haben und diese am Vortag schon um 18:00 h geschlossen war. Knapp eine Stunde braucht man für die 35 km. Caesars Sekretärin sagen wir, dass wir morgen vormittag wiederkommen würden. War das mal wieder ein Tag. So ist eben Reisen!

Am nächsten Vormittag bekommen wir nach zwei Stunden Wartezeit endlich unsere Versicherungspolice. Muchas gracias Caesar. Der erklärt uns gleich, dass derzeit viele Blockaden in Chiapas und Oaxaca durchgezogen werden und wir uns deshalb immer dringend bei Einheimischen danach erkundigen sollen, bevor wir weiterfahren.

Hier in Tuxtla Guiterrez bestätigt man uns diese Einschätzung. Also ändern wir heute unsere Planung. Flüge von Cancun nach Deutschland sind doch erheblich billiger als die von Mexico-Stadt, haben wir im Internet recherchiert. Wir werden uns morgen also Richtung Cancun bewegen. Auf der Strecke dorthin sind eher keine Blockaden zu erwarten, und es gibt in Cancun für El Gordo ebenfalls eine Storagemöglichkeit. In vier Tagen wollen wir die gut 1.000 km fahren und hoffen, in der ersten Junihälfte wieder zu Hause zu sein. Daumendrücken ist angesagt.

Wir haben übrigens, wie erwartet, nur 6 Monate Aufenthalt für El Gordo an der Grenze bekommen. Für 10 Jahre ist er zu klein und außerdem "nur" ein Camper, wurde uns nach harten und freundlichen, aber erfolglosen Verhandlungen erklärt. So müssen wir El Gordo spätestens am 7. November wieder außer Landes gebracht haben, sonst sind die 400 US$, die wir als Kaution hinterlegen mussten, futsch. Und Probleme würde es noch reichlich extra geben, wenn wir das nicht schaffen. Aber es ist immer noch Zeit genug übrig, den Sommer in D. zu genießen.       

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Kommentare: 4
  • #1

    Holger (Montag, 16 Mai 2016 19:02)

    Hallo ihr Beiden,

    man-o-man, das ist ja gerade nochmal gut gegangen! Da habt ihr echt Glück gehabt.
    Wenn ihr wieder nach Deutschland kommt, sehen wir uns dann auf dem Nordtreffen in "Brasilien" 29.-31.7?

    Viele Grüße, Holger&Uta

  • #2

    Oliver (Dienstag, 17 Mai 2016 19:08)

    Moin,
    warum musstet ihr denn an der Grenze eine Kaution hinterlegen?
    Dass ihr Heimaturlaub machend werdet, können die doch gar nicht wissen.

    Hoffentlich sehen wir uns im Sommer
    Oliver

  • #3

    Jürgen & Gabi (Dienstag, 24 Mai 2016 19:37)

    Hi Holger,
    am 30.07. sind wir zum 60-sten in Hannover eingeladen. Das hat oberste Priorität für uns. Aber wir denken, dass wir wenigstens am Freitag auf Samstag mit unserem kleinen Iglu in Brasilien aufschlagen können. Es ist ja nicht so weit entfernt. Würden uns riesig freuen, Euch mal wieder zu sehen, natürlich auch die Anderen. Wir werden das versuchen.
    Bis dahin
    Jürgen und Gabi

  • #4

    Jürgen & Gabi (Dienstag, 24 Mai 2016 19:46)

    Moin Ihr Beiden,
    das wollen wir doch hoffen, daß wir uns im Sommer sehen. Es gibt viel zu erzählen. Wir melden uns, wenn wir zurück sind. Am 06.06. fliegen wir von Cancun nach HH. Die Kaution hat mit dem Heimaturlaub nichts zu tun. Es ist auch nicht an jeder Grenzstation gleich. An der Grenze in La Mesilla in Guatemala nach Chiapas in Mexico muss seit 2010 für jedes nichtmexikanische Fahrzeug eine Kaution hinterlegt werden, wenn man einreist. Für Autos älter als 2000 sind 200 US$ fällig, für Autos von 2000 bis 2007 sind 300 US$ zu zahlen, für neuere als 2007 400 US$. Kann man nix machen. Reist man von Belize nach Yucatan ein, muss man wohl nix zahlen. Werde einer schlau daraus.
    LG
    Jürgen und Gabi

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