Durchdrehen oder gut Ding will Weile haben?

Nur noch kurze Zeit sind wir getrennt.

 

Nachdem wir den südamerikamischen Kontinent verlassen hatten, stand uns die größte logistische Herausforderung unserer Reise bevor. Nämlich El Gordo und uns nach Zentralamerika zu bringen. Wir haben ihn heute aus dem Hafen in Colon befreit und uns umgehend mit ihm wieder nach Panama Stadt rübergemacht. Und so ist das in letzten drei Tagen abgelaufen.

 

Wir (seit zwei) und El Gordo (seit drei Tagen) sind zwar schon in Panama, aber zwischen El Gordo und uns befindet sich immer noch ein hoher mit S-Draht versehener Zaun. Der um den Hafen nämlich, und wir sind so ziemlich am Ende unserer Nerven. Für das, was wir in den letzten zwei Tagen erlebt haben, braucht man zu Hause einen deutlich längeren Zeitraum. Eine derartige Gleichgültikeit beim Firmenpersonal und beim Zoll kann man sich nicht vorstellen. Vorweg, unseren Verschiffungsagenten hier in Colon trifft absolut keine Schuld. Er schüttelt ebenfalls nur noch seinen Kopf. 
Die Verschiffungsaktion in Cartagena lief bis auf den Vorfall des vertauschten Drogeninspektionsnachweises eigentlich wie geflutscht. Unser Agent Manfred sagte uns noch, dass die Zollpapiere und Verschiffungsunterlagen völlig ausreichen müssten, um bei der Einreise nach Panama glaubwürdig angeben zu können, dass wir mit unserem Auto Panama wieder verlassen würden und gab uns den Tipp, günstige Flüge für uns nach Panama bei Viacolombia zu kaufen. Gesagt, getan. Auf der HP der Fluggesellschaft kauften wir zwei Flüge von Cartagena mit Umsteigen in Medellin (Aufenthalt 90 Minuten) nach Panama Stadt und wären dann um 16:00 h in Panama gewesen. Ausdrücklich fragt das Buchungsprogramm danach, ob man ein Oneway-oder ein Returnticket kaufen will. Wir wollen ja nicht zurück, wählten also Oneway. Vielen Dank, dass Sie mit Vivacolombia fliegen. Kreditkartenbelastung erfolgte umgehend. Also steigen wir vorgestern in den Flieger nach Medillin. Haben in Cartagena schon gesagt und auch das Ticket  von Medillin nach Panama vorgezeigt, dass wir von dort weiter nach Panama wollen. OK, nur um das Gepäck müssten wir uns selber kümmern. Alles takko also. Beim erneuten Einchecken In Medillin sagte man uns , dass man uns nicht mitnehmen würde, weil ein Onewayticket ins Ausland illegal wäre und wir ein neues Returnticket kaufen müssten. Einwände, wie, hier ist unsere Bill of Lading für das Auto und die Hafenbestätigung, dass das Auto schon in Colon angekommen ist, interessierte keine Socke. Absolut stur. Wir hätten ja noch 10 Min. !! Zeit, ein neues Rückflugticket zu kaufen. Auf unsere Frage, wo? Antwort, keine Ahnung. Nächster Versuch, mit der Bitte, den oder die Vorgesetzte(n) ranzuholen, scheitert. Man ist kurz vorm Platzen. Eincheckschalter wurde geschlossen und dann hauten die einfach ab. Und unser Flieger flog ohne uns ab, und wir hatten das bezahlte Ticket in der Hand. Mein Rufen, dass ich mein Geld wiederhaben will, wird mit Pech gehabt kommentiert. Da stehste dann und weißt nicht weiter. Also noch andere Fluggesellschaft versuchen, Avianca (Mitglied bei Staralliance). Man verkauft uns Tickets für 400 US$ über Bogota nach Panama Stadt mit fünf Stunden Aufenthalt in Bogota. Machen wir und kommen nach drei Flügen und 17 Std. nach dem Verlassen unseres Apartments nachts um ein Uhr morgens völlig kaputt im Hotel in Panama an. Die hatten wir per Mail schon vorgewarnt. Am nächsten Morgen mit dem Bus 90 Min. nach Colon, laut Reiseführer eine der gefährlichsten Städte der Welt, aber auch mit der zweitgrößten Freihandelszone der Welt.
Hotelzimmer im Radisson, weil nur 300 m entfernt vom Hafeneingang, war vorab gebucht und gegen 12:30 h sind wir auch angekommen. Alles klar, Zimmer kriegen wir aber erst ab 15:00 h. Schnauf!! Und alles immer mit schön viel Gepäck am Hacken. Mit unserem Agenten in Colon Kontakt aufgenommen. Heute schaffen wir nix mehr, heißt es. Also dann morgen. Wieder alles takko. Schon mal ein Zimmer in Panama Stadt gebucht, wir wollen nämlich El Gordo aus dem Hafen holen, dann nach Pan. Stadt, am nächsten Morgen den Kanal und die Mirafloresschleusen angucken und danach losdüsen. Agent holt uns morgens ab, erst mal die Knete für die Fracht abdrücken (2.100 US$), dann zum Zoll. Dort warten, warten, warten. Computersystem wird gerade repariert. Nix geht. Zurück zum Büro des Agenten. Warten. Chef fährt mit uns zum Hafen, wir kriegen sogar vorab alle Stempel und Zettel für den Zoll dort zusammen, müssen aber auch etwas schmieren, damit es flutscht und natürlich viel warten. Dann zum RoRo-Zolllager, weil unser Auto vom Flatrack runter muss. Sonst machen die das mit dem Gabelstapler und das überlebt kein Auto. Dort widerwillig Schlüssel abgegeben und wieder zurück zum Zoll. Gute Nachricht, die Software läuft wieder, aber die eine Sachbearbeiterin, die das Password kennt, hat sich für heute krank gemeldet und die zweite, die das Password kennt, ist im Hafen unterwegs und kommt nicht wieder. Also nochmal stundenlang warten. Solange, bis die Chefin kommt und uns alle, es sind noch mehr mit dem gleichen Anliegen da, einfach rausschmeißt. Auch unseren Agenten. Heute ist nix mehr zu machen. Also zurück zum Radisson, wo man uns wenigstens unser Ex-Zimmer wieder gibt, sogar noch billiger, als wir es über Booking.com gebucht hatten. Morgen früh um 8:00 h kommt der nächste Versuch. Ob es klappt, wissen wir nicht. Die beiden anderen Fahrzeuge und der Motoradfahrer auf dem Foto bei der Drogeninspektion (Gabi mit Helm und Weste) fahren schon seit gestern in Panama herum. Alle drei wurden gestern bis 15:00 h reibungslos abgefertigt. Wir kamen gestern ja zu spät, wegen der, sorry, scheiß Torten der Fluggesellschaft beim Einchecken in Medillin. In Panama im Flughafen hatte sich übrigens keine Sau dafür interessiert, ob wir ein Rückflugticket haben oder ein Oneway oder überhaupt eins. Stempel in den Pass und fertig war die Laube. Es ist zum Heulen. Haben noch versucht, das Zimmer in Panama Stadt zu stornieren. Gegen Zahlung des vollen Preises geht das. Das ist hier die reinste Krötenwanderung. Also nochmals 70 US$ versenkt. Grr, bell, böse, wau ..  Übrigens, wenn es morgen nicht klappt, ist ja Wochenende, ach wie schön …  
Das musste mal wieder raus.
Den Text hatte ich gestern verfasst. Frustbewältigung. Heute strahlen wir aber wieder. So wie es aussieht, hat El Gordo seine Karibikkreuzfahrt unbeschädigt überstanden. Dank Boris, (muchas gracias Boris) unserem Agenten in Colon, lief es heute wie geschmiert. Schon um 10:30 h konnten wir El Gordo aus dem Hafen fahren. Was für ein schönes Gefühl.  

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Kommentare: 3
  • #1

    Holger (Samstag, 09 April 2016 20:13)

    Hi,

    mein Gott, was für ein Theater!
    Na dann genießt jetzt mal den nächsten Teil der Reise.

    Viele Grüße von Uta&Holger

  • #2

    Uschi (Samstag, 09 April 2016 22:25)

    Hallo ihr "Gebeutelten",
    Mann oh Mann, ich habe mit leichtem Entsetzen eure Geschichte gelesen, und bin mir gaaanz sicher, dass ich in diesem Leben keine Verschiffung Panama-Cartagena oder umgekehrt ins Auge fassen werde, dazu hätte ich nicht mehr die Nerven. Die bevorstehende Verschiffung von Fix und Boxi wird für mich (uns) noch spannend genug. Ich wünsche euch eine entspannte und komplikationslose Weiterfahrt mit eurem Huckepack-Team. Letzte Woche habe ich mal einen Abstecher nach Stader Sand direkt an die Elbe gemacht und unserem Huckepackteam dort von der bevorstehenden Seefahrt erzählt ;-)! Liebe Grüße, immer noch aus Osten, Uschi

  • #3

    Thomas Schneider (Freitag, 29 April 2016 13:11)

    Hallo ihr beiden,

    das klingt ja wirklich sehr hart und sehr übel. Ich denke, da braucht
    man gute Nerven.

    Trotz allem hoffe ich natürlich für Euch, dass ihr
    eine ingesamt weiterhin sehr schöne Reise habt.
    Von Regina habe ich gehört, dass ihr wohl Ende Juli zu Reginas
    Geburtstag in Hannoer sein werdet. Da bin ich übrigens auch.
    Und es freut mich sehr, Euch dann wiederzusehen. Ich bin schon
    sehr gespannt, auf eure Reiseberichte. Grüße aus Heidelberg von
    Thomas.

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