In zwei Etappen 875 km nach Süden ..

.. sind wir in den letzen drei Tagen gefahren. Ein guter Start in Puerto Madryn bei schönem Wetter, aber schon ziemlich heftigem Wind. 450 km bis Rada Tilly, dicht bei Comodoro Rivadavia gelegen, liegen vor uns. 60 km nach Puerto Madryn ab Trelew beginnt so langsam die Horrorfahrt. Aus dem starken Wind entwickelt sich ein Sturm in Orkanstärke, der direkt von der Seite kommend uns, die wir immer noch traumatisiert sind, das Leben für einige Stunden zur Hölle macht. Selbst 60 kmh sind zu schnell. Links und rechts nur Pampa, niemals Windschutz, keine Ausweichmöglichkeiten, da alles eingezäunt ist und keine Ortschaften mehr an der Strecke liegen. Also fahren wir die letzten 200 km zwischen 30 und manchmal max. 50 kmh. Voller Angst, von der Piste geblasen zu werden oder nochmals umzukippen. Völlig geschafft erreichen wir Rada Tilly, wo wir uns auf dem dortigen Camping geschützt hinstellen und uns am nächsten Tag versuchen zu erholen. Der Sturm bläst auch hier unvermindert weiter. Selbst der Gang zum Supermarkt per Pedes ist schon eine Qual. Heute Morgen verliert er endlich an Kraft. Bei immer noch kräftigem Wind können wir wieder losfahren und erreichen nach 425 km Puerto San Julian ohne Zwischenfälle, von einem kräftigen einstündigen Regen abgesehen. Die Kabine hat den Dichtigkeitstest wohl bestanden. Alles ist trocken geblieben. Vor dem Nachbau der Victoria, Maggellans winzigem Weltumrundungsschiff, freuen wir uns, erneut Petra und Tibor mit ihren drei Kindern treffen. Morgen soll es weitergehen. Wir wollen versuchen, Rio Gallegos anzusteuern und wären dann unserem Ziel, Thomas aus Hannover und Thomas aus Heidelberg am 20. November in Ushuaia zu treffen, erheblich näher gekommen. Eine solche Verabredung werden wir aber nicht noch einmal treffen, da der sich selbst auferlegte Reisedruck nicht ganz unerheblich ist. Trotzdem freuen wir uns schon unheimlich darauf, die beiden zu sehen. 

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Kommentare: 7
  • #1

    Ralf (Sonntag, 16 November 2014 15:02)

    Oha, das kann ich gut nachvollziehen. Wenn man einmal auf der Seite gelegen hat, ist das Vertrauen in die Fahrkünste der Kombi erstmal weg. Da werdet ihr wohl noch eine Zeit lang von mulmigen Gefühlen begleitet werden.

    Eure Vorsicht ist aber berechtigt. In Island hat es neulich auch eine langsam fahrende Wohnkabine (sogar ohne rutschige Straße) umgepustet.

    Ich würde vielleicht (aber aus der Ferne ist das immer leicht gesagt) noch weiter gehen und bei so einem orkanartigen Sturm stets irgendwo rechts ran fahren, die Fahrzeugnase in den Wind stellen und stur warten, bis der Sturm vorüber ist – und wenn es 48 Stunden dauert und wenn es in der Kabine arg langweilig wird. Auch ohne Campingplatz, Windschutz und mitten in the „middel of nowhere“, notfalls.

    Ich glaube, ich würde meinen Ängsten mit Konsequenz begegnen. Lasst euch nicht vom Termin am 20.11. verrückt machen. Safety first!

  • #2

    Nina (Sonntag, 16 November 2014 15:06)

    Im Notfall den termin nicht einhalten. Das kann und sollte jeder verstehen können.

  • #3

    Oliver (Sonntag, 16 November 2014 15:30)

    Die Fahrt an der Ostküste ist wirklich langweilig. Außer Pinguinen gibt es nicht viel zu sehen. Aber bald wird es ja besser :-)

    Die patagonischen Winde sind ja legendär. Im Normalfall wehen sie aber keine Fahrzeuge um. Klar, kann es passieren, aber sehr viel wahrscheinlicher ist es, dass eine Tür abgerissen wird, wenn man sie nicht richtig festhält. Also immer volle Konzentration bein Ein- & Aussteigen.

  • #4

    Ralf (Sonntag, 16 November 2014 17:30)

    Ich weiß nicht, ob ihr das mitbekommen habt, denn am besagten Tag wart ihr schon in Buenos Aires (31.07.). Das mit dem Unfall in Island (Totalschaden) war Armin (815-er) aus dem Forum mit einer Nordstar-Kabine auf einem 2011-er VW Amarok:

    http://www.wohnkabinen-magazin.de/forum/63/142278-island-2014?limitstart=0

    Zitat:

    „Am Sonntag früh fuhren wir ein Stück auf der Kaldidalur bis es anfing stark zu winden, als es dann kurz darauf mit einem massiven Sandsturm begann haben wir kehrt gemacht. Nach wenigen hundert Metern haben uns zwei Böen erwischt. Die erste hat uns hinten schon versetzt, was aber mit einem Tritt aufs Gas wieder gefangen wurde, aber die zweite hat uns ausgehebelt und wir haben uns über die Schnauze überschlagen (das geschah im zweiten Gang!).“

  • #5

    Jürgen (Dienstag, 18 November 2014 14:03)

    Au weia. Das muss ja noch schlimmer als bei uns gewesen sein. Müssen wir mal lesen. Das tut uns ja wahnsinnig leid. Wir müssen in der Tat erst einmal wieder Vertrauen aufbauen. Auf der Pampa Salamanca, berühmt und berüchtigt für die Stürme dort, kann man, wie überall, nicht rechts ran. Es gibt absolut keinen Windschutz. Der Wind kommt immer voll von der Seite. Reinstellen geht nicht. Da ist immer! ein Zaun.
    Niemals gleichzeitig beide Türen öffnen. Wenn Gabi aussteigen will, gehe ich um das Auto rum und helfe beim Öffnen.

  • #6

    Nicht jeden Scheiß glauben (Mittwoch, 19 November 2014 01:43)

    Hallo Gabi und Jürgen,
    die Wahrscheinlichkeit, dass ein Windstoß Euer Womo von hinten über die Vorderachse umkippt (wie auf Island angeblich geschehen), geht gegen Null. Die Angriffsfläche des Hecks ist klein, der Radstand ist groß und die Räder rollen nach vorne ab. In einem Tornado mag das gehen, aber sonst?
    Lasst Euch keine Angst von Leuten einjagen, die ihren Urlaub in der Lüneburger Heide verbringen und glauben, dass dies schon das große Abenteuer ist. Patagonien ist anspruchsvoll für's Material, aber es gibt gefährlichere Ecken auf der Welt.

    Reisen is nix für Weicheier!!!

  • #7

    Oliver (Mittwoch, 19 November 2014 06:46)

    genau!
    Beruhigt euch und genießt die Reise.

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